„Horror“-Übung an Plettenberger Schule

An der Zeppelin-Ganztagshauptschule in Plettenberg gab es eine umstrittene Notfallübung. Foto: Hendrik Schulz
An der Zeppelin-Ganztagshauptschule in Plettenberg gab es eine umstrittene Notfallübung. Foto: Hendrik Schulz
Foto: Hendrik Schulz

Plettenberg.. Eine Notfallübung vor über einer Woche an der Zeppelin-Ganztagshauptschule in Plettenberg schlägt hohe Wellen. Eltern berichten von „völlig verängstigten Kindern, die seit diesem Amok-Alarm nicht mehr durchschlafen“.

Eine Notfallübung vor über einer Woche an der Zeppelin-Ganztagshauptschule in Plettenberg schlägt hohe Wellen. Eltern berichten von „völlig verängstigten Kindern, die seit diesem Amok-Alarm nicht mehr durchschlafen“. Schulleiter Klaus H. Meißner spricht von einer „ganz normalen Notfallübung“, wie sie seit Jahren immer wieder durchgeführt werde.

Mit einem Unterschied: Erstmals gab nicht die vertraute Stimme Meißners über Lautsprecher Verhaltensmaßregeln für einen Notfall aus, sondern eine künstliche Stimme mit standardisiertem Ansagetext. Danach sollten Schüler und Lehrer bei geschlossenen Türen in den Klassenräumen bleiben. Ausgelöst durch einen Druck auf den Amok-Alarm-Knopf, der in den Sommerferien im Auftrag der Stadt neu installierten Schulsprechanlage.

Weder Lehrer noch Schüler waren über die Notfallübung informiert. Schüler – und nach WR-Informationen zumindest auch eine Lehrerin – sprechen von einem „Horrormoment“, der bei ihnen Spuren hinterlassen habe. Rund eine Viertelstunde lang hätten sie „in panischer Angst“ auf dem Boden gelegen, sich in den Klassenräumen verbarrikadiert, ehe sich die Situation als Übung entpuppt habe.

Hausmeister trifft keine Schuld

Den Vorwurf, dass der Hausmeister gegen Türen geschlagen haben soll, um das Szenario realistischer wirken zu lassen, weist Direktor Meißner scharf zurück. Der Hausmeister, eine eingeweihte Kollegin und er selbst hätten lediglich die Türklinken gedrückt, um zu kon­trollieren, ob auch alle die Notfallhinweise befolgt haben. Im Übrigen hätte er das Schild „Amok“ auf der Taste seiner Anlage durch den Schriftzug „Notfall“ überklebt, weil selbst in der automatischen Durchsage nicht von Amok die Rede sei.

Plettenbergs Gebäudemanager Matthias Steinhoff, der nach (nichtöffentlichem) politischem Beschluss bis Ende der Herbstferien alle elf Schulen in städtischer Trägerschaft mit technisch aufgerüsteten Lautsprecheranlagen inklusive Amok-Taste ausgestattet haben will, wundert sich wie Meißner über Maßnahmen des Verbarrikadierens oder Hinlegens. „Das mag eine individuelle Anweisung einzelner Lehrer gewesen sein“, mutmaßt Meißner.

Technik nach neuestem Standard

Matthias Steinhoff verliest am WR-Telefon den Inhalt des Ansagetextes. Dieser spricht von einer „ernsten Lage an der Schule“ und fordert lediglich zum Verbleib in geschlossenen Klassenräumen auf. Mit der Installation der nach den Bluttaten an den Schulen in Winnenden und Ansbach vom Innenministerium und von der Polizei empfohlenen Sprechanlagen habe er technische Voraussetzungen nach neuestem Standard geschaffen, betont Steinhoff.

Grundsätzlich könne aber jeder Schulleiter sowohl im Übungs- wie im Ernstfall selbst entscheiden, ob er den automatischen Alarmknopf auslöse oder selbst eine Durchsage mache. Meißner beklagt, bisher nichtmals in die Technik der neuen Anlage eingewiesen worden zu sein.

 
 

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