Holzwurmtod in der Thermokammer

Holzwurmbeseitigung im Haus der Stadtgeschichte. Hubert Herbert steuert vom hinteren Teil des LKW den Holzwurmbeseitigungsvorgang
Holzwurmbeseitigung im Haus der Stadtgeschichte. Hubert Herbert steuert vom hinteren Teil des LKW den Holzwurmbeseitigungsvorgang
Foto: WR

Kamen.. Muffig riecht es im Kellergewölbe unter dem Stadtmuseum, und feucht ist’s. Kein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Nicht nur wegen des Geruchs, auch wegen der Enge. Die Mitarbeiter des Museums aber bezeichnen den Keller liebevoll als heilige Hallen. „Hier tauchen immer wieder Schätze auf, mit denen wir nicht rechnen“, erzählt Christian Rißmann, ehrenamtlicher Mitarbeiter. Zuletzt waren es sechs Meter lange Balken, die die Inschrift „Aufgerichtet am 11. Juli 1870“ tragen und vermutlich von einem Bauernhof stammen.

Ganze Häuser in Folie

Die Balken haben die Museumsmitarbeiter bereits in die Thermokammer des Aufliegers der Lippstadter Firma IRT geschafft. Ebenso sämtliche Holzschränke, alte Holzkarren, Werkzeuge mit Holzgriff, Stühle – einfach alles, was im Keller des Museums lagert und befallen sein könnte vom Holzbock oder Holzwurm. Denn der, und hier kommen wir zurück zum muffigen Museumskeller, mag’s am liebsten, wenn es feucht ist und die Pilze wachsen.

Hier kommt nun die Fachfirma ins Spiel. IRT steht für Innovative Restaurierungstechnik. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Bekämpfung von schädlichen Insekten im Denkmal- und Bautenschutz, und zwar nicht mit der chemischen Keule, sondern auf ökologisch unbedenklichem Wege. Ganze Häuser und Kirchen packt IRT in Spezialfolien ein, um sie mit Heißluft zu behandeln und dem Wurm den Garaus zu machen. Der bestehe, so Herbert, aus einem großen Teil aus Eiweiß, das durch die Hitze zersetzt werde.

Nach Kamen ist die Firma mit einem Lkw gekommen, dessen Auflieger aus einer isolierten Thermokammer besteht. In einem schonenden Verfahren werde das Holz aus dem Museum in der Kammer (Maße 7 x 2,80 x 2,40 Meter) behandelt, erzählt IRT-Techniker Hubert Herbert. Im Detail bedeutete das: Alles Holz aus dem Museum wird in den Auflieger geschafft und so aufgestapelt, dass es von allen Seiten Luft bekommt. Der Auflieger wird verriegelt, nun kann es losgehen. Über ein Bodenlüftungssystem wird die Temperatur in der Kammer von 20 auf 55 Grad hochgefahren. Fühler messen und regeln die Wärme, Kühlaggregate wiederum sorgen dafür, dass Luftfeuchte und Wärme stets konstant bleiben, damit das Holz nicht aufquillt oder reißt. „Normalerweise reicht eine einstündige Behandlung“, erklärt Herbert. Um auf Nummer sicher zu gehen, würde IRT das Holz aber zehn Stunden lang behandeln. Der gesamte Kammerlauf dauere drei bis vier Tage.

Danach sind die Museumsstücke wurmfrei und können zurückkehren, nicht in den Keller, sondern in die Ausstellungsräume, denn die werden derzeit neu bestückt.

 
 

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