Hohe Strahlung außerhalb der Evakuierungszone in Japan

Ist die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk Fukushima 1 in Japan zu klein? Außerhalb der Zone wurden jetzt stark erhöhte Strahldosen festgestellt.
Ist die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk Fukushima 1 in Japan zu klein? Außerhalb der Zone wurden jetzt stark erhöhte Strahldosen festgestellt.
Foto: AP

Hamburg/Duisburg.. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat außerhalb der evakuierten 20-Kilometer-Zone um den havarierten japanischen Atomkomplex Fukushima hohe Strahlendosen gemessen. Sie übersteigen deutlich das Strahlungsniveau, ab dem die Behörde eine Evakuierung empfiehlt.

In dem Dorf Iitate, rund 40 Kilometer von dem Atomkraftwerk entfernt, wurden bei einer Messung zwei Megabequerel Strahlung festgestellt. Damit liegt der Wert nach Angaben einer IAEA-Vertreterin zweimal so hoch wie der Richtwert für eine Evakuierung.

Die japanische Regierung hat ein Gebiet von 20 Kilometern rund um die beschädigten Reaktoren von Fukushima geräumt und in einem Radius von 30 Kilometern empfohlen, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Banges Warten auf verstrahlte Schiffe aus Japan

Nach der Atomkatastrophe in Japan rüsten sich Häfen wie Hamburg oder Bremen sowie Reedereien gegen verstrahlte Schiffe aus Fernost. An Europas größtem Binnenhafen in Duisburg sieht man bislang indes keinen Grund zu besonderer Sorge.

Die Hamburger Innenbehörde erarbeitet derzeit ge­meinsam mit Hafen und Zoll Maßnahmen für den Umgang mit verstrahlten Schiffen. Sie dringen dabei auf Empfehlungen des Bundes, weil niemand Erfahrungen mit dem Umgang mit verseuchten Frachtern hat. Schon die Untersuchung ganzer Frachtschiffe auf Verstrahlung sorgt die Verantwortlichen. „Wenn ganze Schiffe verstrahlt sind, haben wir ein Problem“, so ein Sprecher der Innenbehörde. „Wir können die Schiffe nicht einfach in eine Garage fahren, um sie zu dekontaminieren.“

Erste Schiffe ab Mitte April

Ab Mitte April könnten erste radioaktiv belastete Frachter an deutschen Seehäfen eintreffen. Allerdings, so betonen die Häfen in Hamburg und Bremen unisono, gingen die Schiffe auf ihrer langen Reise zunächst in zahlreichen anderen Häfen vor Anker. „Und wenn Rotterdam es ablehnt, werden wir es natürlich auch ablehnen“, sagte ein Sprecher der Hamburger Hafenbehörde. Was dann mit einem solchen Frachter passiert, sei vor allem die Angelegenheit des betroffenen Reeders.

Die Reederei Hapag-Lloyd zog im Umkreis von 100 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk von Fukushima vorsorglich alle Container aus dem Verkehr - die Lage am Krisenreaktor blieb unverändert kritisch. Die Container werden in Depots gelagert - beladen oder leer. Außerhalb dieses Radius’ lasse Hapag-Lloyd die Boxen vor dem Verladen untersuchen, sagte eine Sprecherin.

Bei Logport ist Verstrahlung noch kein Thema

„Bei uns kommen die meisten Waren aus Antwerpen oder Rotterdam“, erklärte ein Sprecher des Duisburger Hafens auf NRZ-Anfrage. „Wir gehen davon aus, dass alles in den Seehäfen abgefangen wird und deshalb keine verstrahlte Ladung ins Hinterland gerät.“ Auch an dem vom japanischen Logistikkonzern NYK mitbetrieben Containerterminal Logport seien besondere Kontrollen auf Verstrahlung bislang kein Thema. Beim Hauptzollamt Duisburg spricht man derzeit von einem „ganz normalen Abfertigungsgeschehen. Notfalls „haben wir aber auch Strahlenmessgeräte hier“, so ein Sprecher.

Bundesverbraucherschutzminister Ilse Aigner (CSU) kündigte gestern eine mehrfache Kontrolle der Einfuhren aus Japan an, die insgesamt nur drei Prozent der Gesamtimporte ausmachten. Bei einem Besuch der Importkontrollen am Frankfurter Flughafen sagte sie, jede La­dung, die Deutschland erreiche, werde überprüft - und zwar vor der Verladung in Japan und „wir kontrollieren es auch noch einmal hier vor Ort.“

Deutschland bietet Japan Spezialgerät an

Derweil hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der japanischen Regierung im Kampf gegen die Atomkatastrophe technische Hilfe angeboten. Deutschland könne funkgesteuertes Spezialgerät zur Verfügung stellen, das für Aufräum- und Reparaturarbeiten an Reaktoren eingesetzt werden könne, sagte Merkel nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert am Mittwoch in einem Telefonat mit dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan. Dieser wolle das Angebot prüfen. Die Kanzlerin sprach den Opfern der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan vom 11. März „im Namen der Menschen in Deutschland ihre Anteilnahme an dem schweren Leid aus“.

Kan dankte den Angaben zufolge den Deutschen für ihre Solidarität und Hilfsangebote. Zudem habe er Merkel über den Zustand der havarierten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima informiert und über die Bemühungen der Techniker, die Lage unter Kontrolle zu brigen, erklärte Seibert in Berlin. (tr/afp/rtr)

 
 

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