Hintermänner von Djerba-Anschlag vor Gericht

Foto: AFP

Paris. Fast sieben Jahre nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Djerba mit 21 Todesopfern hat in Paris der Prozess gegen die drei mutmaßlichen Hintermänner begonnen. Unter ihnen ist ein deutscher Islamist: Christian G. aus Duisburg. Er soll per Telefon grünes Licht für die Bluttat gegeben haben.

Fast sieben Jahre nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Djerba mit 21 Todesopfern hat in Paris der Prozess gegen die drei mutmaßlichen Hintermänner begonnen. In den kommenden fünf Wochen müssen sich der deutsche Islamist Christian Ganczarski sowie der Bruder des tunesischen Selbstmordattentäters vor einem Sondergericht für Terrorprozesse verantworten.

Dritter Angeklagter ist Al-Kaida-Führer Khalid Sheikh Mohammed, der allerdings wegen der Attentate vom 11. September 2001 bereits von den USA in Guantanamo festgehalten wird. Die Verdächtigen sind wegen Beihilfe zum Mord sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt, ihnen drohen lebenslange Haftstrafen.

Angeklagter schreibt an Kanzlerin

Am 11. April 2002 brachte Nisar Nawar einen mit Flüssiggas gefüllten Lastwagen vor einer Synagoge der tunesischen Ferieninsel Djerba zur Explosion. In dem Flammeninferno wurden 14 deutsche und zwei französische Touristen sowie fünf Einheimische getötet. Der Duisburger Ganczarski soll bei einem Telefonat mit Nawar grünes Licht für die Bluttat gegeben haben.

In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Freitag wies er die Vorwürfe zurück und erklärte, er habe ein «ruhiges Gewissen». Er fürchte, der Prozess in Frankreich sei nicht fair sondern politisch motiviert. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte nach der Festnahme des Deutschen im Jahr 2003 als damaliger Innenminister erklärt, Ganczarski sei ein Informatikspezialist von Al Kaida. Auf einem Video ist er als Zuhörer bei einer Rede von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Afghanistan zu sehen.

Die Bundesanwaltschaft hatte nach dem Djerba-Anschlag versucht, gegen Ganczarski einen Haftbefehl zu erreichen. Der Bundesgerichtshof sah jedoch in dem Telefonat mit dem Attentäter keinen ausreichenden Beleg für seine Verwicklung in den geplanten Anschlag. Der Islamist hatte zwar Kontakte zu Al Kaida und Aufenthalte in afghanischen Ausbildungslagern des Terrornetzes zugegeben. Die Unterstützung einer ausländischen Terrororganisation war damals aber noch nicht strafbar. (AP)

Mehr zum Thema:

 
 

EURE FAVORITEN