„Hier kennt man sich“

Erlentiefenstrasse mit Claudia Röttger, Serie: Meine Strasse
Erlentiefenstrasse mit Claudia Röttger, Serie: Meine Strasse
Foto: WR
Wer vor 180 Jahren die Erlentiefenstraße passieren wollte konnte sich leicht nasse Füße holen. Denn ursprünglich war die heute gut ausgebaute Straße ein kleiner Trampelpfad, der durch eine überwiegend mit Erlen bewachsene feuchte Niederung, eben durch die so genannten „Erlentiefen“, führte.

Bergkamen.. Wer vor 180 Jahren die Erlentiefenstraße passieren wollte konnte sich leicht nasse Füße holen. Denn ursprünglich war die heute gut ausgebaute Straße ein kleiner Trampelpfad, der durch eine überwiegend mit Erlen bewachsene feuchte Niederung, eben durch die so genannten „Erlentiefen“, führte. Diese Zeit hat Wilhelm Röttger natürlich nicht selbst miterlebt. Trotzdem kennt er noch die niederdeutsche Fassung des Straßennamens: „Erlendeipen nannte man sie früher“, erinnert sich der pensionierte Unternehmer. Zwischenzeitlich hieß die Straße auch „Rünthener Straße“, weil sie von Overberge nach Rünthe führt. Seit 1966 trägt sie jedoch offiziell den Namen „Erlentiefenstraße“, angelehnt an die Flurbezeichnung „Erlendeipen“.

„Die Straße war früher sehr schmal. Wenn sich zwei Fahrzeuge begegneten, musste man schon aufpassen, dass man nicht im Graben landet“, erinnert sich Wilhelm Röttger.

In dieser engen Straße eröffnete er mit seiner Frau Ursel in den 1970-er Jahren das Gartencenter, das seinen Namen trägt. Angefangen hat alles mit einer Baumschule und einem kleinen Verkaufsraum. „Heute hätte man Tante-Emma-Laden dazu gesagt“, erzählt Claudia Röttger, die Tochter des Unternehmerpaares, schmunzelnd, „Als Kinder haben wir immer auf dem Gelände gespielt“, so die Geschäftsführerin. Im Laufe der Jahre folgte der Bau einer 400 Quadratmeter großen Halle mit Verkaufsbeeten und schließlich 1976 die Eröffnung des Gartencenters.

Seitdem hat sich in der ehemals kleinen Straße viel getan. Vor allem der Ausbau der Industriestraße K16, die die Erlentiefenstraße kreuzt, war eine „gravierende Veränderung“, findet Claudia Röttger. „Den Schwerlastverkehr gab es früher hier nicht“.

Nach dem Bau der Industriestraße folgte 1993 die Unterteilung in „Obere Erlentiefenstraße“ für den Streckenabschnitt südlich der Industriestraße und „Untere Erlentiefenstraße“ für den Streckenabschnitt nördlich der Industriestraße. Als großflächiger Einzelhandel sei es für die Röttgers schwierig gewesen, mit der alten Verkehrssituationen Kunden dauerhaft an das Gartencenter zu binden, so die Geschäftsführerin. Insofern habe man vom Bau der Industriestraße profitiert.

In der Kindheit von Claudia Röttger und ihren beiden Brüdern Rainer und Ralf ging es in der Erlentiefenstraße beschaulicher zu. Die Geschäftsführerin, die 2002 offiziell die Leitung des Gartencenters übernahm, erinnert sich noch ganz genau: „Unser Schulweg ging die Erlentiefenstraße rauf. Für uns war das früher ein richtiger Berg“. Auf dem Weg zur Overberger Grundschule holte sie all ihre Freunde an der Haustür ab. „Wir klingelten dann und sahen zu, dass die Schulkameraden auf ihre Fahrräder kamen“, erzählt die Geschäftsführerin schmunzelnd. Praktischerweise wohnten die nämlich in derselben Straße. Ebenso wie die Großeltern von Claudia Röttger. Überhaupt wurde Gemeinschaft in der Erlentiefenstraße groß geschrieben. „Wir konnten praktisch an jeder Tür anklingeln und kannten die Leute“, schwelgt die Geschäftsführerin in Erinnerungen. Ganz ist der Kontakt bis heute nicht abgerissen. Auch wenn viele alte Bekannte wegzogen, fühlt sich Claudia Röttger in der Erlentiefenstraße noch heimisch: „Hier kennt man sich“.

Zur Entstehung des Straßennamens:

Die Overberger Erlentiefenstraße erhielt ihren Namen erst im Jahre 1966, bis dahin führte sie von altersher schlicht und einfach die amtliche Bezeichnung Rünthener Weg, weil diese Wegeverbindung von Overberge nach Rünthe führte.

Erst bei der Umbenennung der Straße im Jahre 1966 orientierte sich die Overberger Gemeindevertretung dann an einer alten Flurbezeichnung in diesem Bereich, die bereits im Urkataster von 1827 in der niederdeutschen Fassung „Erlendeipen“ schriftlich nachweisbar ist.

Ursprünglich führte der Weg – erst vor etwa 180 Jahren bei der Teilung der so genannten Reck-Kamer Heide angelegt – durch eine überwiegend mit Erlen bewachsene feuchte Niederung oder natürliche Vertiefung, eben durch die so genannten „Erlentiefen“. Der Straßenname verdankt seine Entstehung also letztlich einem alten Flurnamen und damit der früheren Beschaffenheit der Landschaft in diesem Bereich.

Die Unterteilung in „Obere Erlentiefenstraße“ für den Streckenabschnitt südlich der Industriestraße und „Untere Erlentiefenstraße“ für den Streckenabschnitt nördlich der Industriestraße erfolgte erst im September 1993.

 
 

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