Herzlich willkommen, Heiliger Vater! - von Rüdiger Oppers

Rüdiger Oppers
Rüdiger Oppers ist Chefredakteur der NRZ
Rüdiger Oppers ist Chefredakteur der NRZ

Benedikt XVI., der erste deutsche Papst seit 1523, kommt in seine Heimat. Für uns Landsleute ist sein Besuch eine Ehre. Auch wenn die „Wir sind Papst“ Euphorie nach sechsjährigem Pontifikat etwas ermattet ist, freut sich eine große Mehrheit der Menschen, dass „einer von uns“ Oberhaupt der weltumspannenden Katholischen Kirche ist.

Dagegen steht eine kleine, aber laute Minderheit obskurer Gruppen, die Proteste angekündigt hat. In einer pluralen, offenen Gesellschaft muss man das hinnehmen und inständig hoffen, dass die Demonstranten wenigstens Amt und Person Benedikt XVI. respektieren. Allerdings wird dieses Getöse schon im Vorfeld von vielen Medien – insbesondere den öffentlich-rechtlichen - dankbar verbreitet. Motto: Willkommen bei Feinden!

Martin Mosebach, katholischer Autor, Journalist und Büchner-Preisträger, hat überspitzt gefragt: „Heiliger Vater, warum reisen Sie in ein Land, in dem Sie erwartet werden von illoyalen Bischöfen, nationalkirchlich-schismatischen Theologen, von Katholiken, die ihre Religion nicht kennen, einer zutiefst verständnislosen Medienöffentlichkeit und von ungezogenen Politikern?“ Eben darum. Der Papst will sich ja nicht feiern lassen. Er kommt, weil er uns etwas zu sagen hat. Seiner Kirche, aber auch darüber hinaus, kann der Besuch verloren gegangene Orientierung zurückgeben.

Viele Christen brauchen lediglich Personal für Taufe oder Hochzeit

Viele Christen wollen sich heute gar nicht mehr von Gott erretten lassen, sie brauchen lediglich Personal für Kindstaufe, Hochzeit oder Begräbnis. Eine tiefe Glaubenskrise ist in Deutschland in vielen Bereichen des Lebens zu spüren. Gott ist nicht tot, wird aber in Familien, Schulen und Medien totgeschwiegen.

Aus christlicher Sicht ist der Besuch Benedikt XVI. ein Segen. Kein anderer kann das Wunder des Glaubens so verständlich und schön in Worte fassen. Der Auftrag, den Jesus dem Petrus gab, lautete ja: „Du aber stärke den Glauben Deiner Brüder“ (Lk 22). So ist es nun die Aufgabe seines Nachfolgers auf dem Höhepunkt der Glaubens- und der Finanzkrise, Bürgern und Politikern eine Portion Gottvertrauen zurückzugeben.

Von dem großen europäischen Denker Benedikt XVI. dürfen wir heute eine bedeutende Grundsatzrede im Bundestag erwarten. Vielleicht erinnert er uns daran, dass Europa eine abendländische Wertegemeinschaft ist, die mit ihren jüdisch-christlichen Wurzeln mehr bedeutet als eine rein ökonomisch definierte Euro-Finanzzone.

Erstmals spricht ein Papst im Bundestag. Selbst die UNO-Vollversammlung hat eine Papstrede als höchste Ehre aufgefasst. Im Bundestag wird er boykottiert. Einige Abgeordnete, vor allem der Linken, werden wie trotzige Kinder den Raum verlassen. Peinlich für unser Parlament. Deutschland hat den Heiligen Vater eingeladen. Als guter Gastgeber müssen wir hören wollen, was unser Gast zu sagen hat. Wer vor Meinungen davonläuft, hat von der Demokratie nichts verstanden und kann sie auch nicht repräsentieren. Kurios, dass die gleichen Personen, die dem Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken den Respekt versagen, für den greisen Kommunisten und Menschenschinder Fidel Castro gerne das Jubelspalier bilden würden.

Der Papst kommt nicht als Moderator, sondern als Kirchenoberhaupt

Nein, diese Deutschlandreise ist kein Heimspiel für den Heiligen Vater, aber er wird von Millionen Christen voller Stolz und Hoffnung erwartet. Manche Erwartung wächst in den Himmel. Kann Benedikt den Dialog zwischen Priestern und Laien fördern? Vorsicht, der Heilige Vater kommt nicht als Moderator, sondern als Kirchenoberhaupt. Dennoch: Jede Papstreise bringt frischen Wind in die Ortskirche. Gut, auch wenn ein Schnupfen die Folge sein kann.

Benedikts Besuch rückt den Glauben wenigstens kurzfristig ins Scheinwerferlicht. Der Papst sucht, nutzt und besetzt den öffentlichen Raum, nicht um sich zu präsentieren, sondern um ihn für den Glauben zurückzuerobern

Auch im romfeindlichen England wurde der kritisch beäugte Papst erst nur mit kühlem Respekt begrüßt und schließlich von den Briten bejubelt. Er kam, sprach und siegte. Der Rest der Welt staunte. So möge es auch in den nächsten Tagen in Deutschland sein. Herzlich Willkommen bei Freunden, Heiliger Vater!