Herbstlaub bremst die Bahn wieder aus

Foto: WR

Dortmund. Bahnfahrer müssen in diesen Tagen mit noch mehr Verspätungen rechnen. Grund: Im Herbst werden die Gleise rutschig. Obwohl die Deutsche Bahn verstärkt auf „Sandsprühanlagen“ an den Loks setzt, kann sie nicht garantieren, dass die Züge pünktlich sind. Auch private Bahnen sind betroffen.

Das Phänomen ist nicht neu, und doch gibt es augenscheinlich keine Lösung. Im Herbst, wenn der Wind Blätter auf die Gleise weht, wenn Nieselregen fällt und so einen Schmierfilm auf den Schienen bildet, dann kommt es immer wieder zu Verspätungen. „Beim Bremsen auf diesen schmierigen Schienen blockieren die Räder und die Züge geraten ins Rutschen“, erklärt Knut Germann, Sprecher der Deutschen Bahn. Und wie ein Gummireifen am Fahrrad, der über den Asphalt schlittert und sich abnutzt, so werden auch die Stahlräder der Bahnen leicht abgeschliffen. „Flachstellen“, nennen die Bahner das, wenn die Räder unrund laufen und in die Werkstatt müssen. „Wenn es dadurch dann zu Zugausfällen kommt, ist das der schlimmste Fall“, sagt Bahnsprecher Knut Germann.

Häufiger hingegen vermeiden die Lokführer solche Situationen: Indem sie vorsichtiger anfahren, weniger Tempo aufnehmen und verhaltener bremsen. Was dazu führt, dass die Bahn auf manchen Strecken einfach ein paar Minuten länger unterwegs ist.

Um das Rutschen auf den Gleisen zu verhindern, setzt die Bahn zunehmend auf Sandstreuanlagen. 600 Loks und Triebwagen der DB haben mittlerweile kleine Rohre vor den Rädern, die stoßweise Sand auf die Schienen sprühen. Dadurch soll der Schmierfilm aufgebrochen und die Griffigkeit erhöht werden. In Köln setzt die Bahn zurzeit ein noch weiter ausgefeiltes Sprühsystem ein, berichtet der Unternehmenssprecher. Der Sand hilft, aber nicht genug, um tatsächlich immer auch pünktlich zu sein.

Wenn man das schon von vornherein weiß – kann sich die Bahn bei der Ausgestaltung des Fahrplans dann nicht darauf einstellen?

„Das würde ja bedeuten, dass wir noch einen zusätzlichen ,Herbstfahrplan’ aufstellen müssten, sagt Knut Germann von der DB. Dazu ist man jedoch nicht bereit – präventiv einen größeren Zeitpuffer in den engen Plan einzubauen hätte aus Sicht der Bahn für die meisten Kunden mehr Nach- als Vorteile.

Auch Kunden, die mit privaten Bahnen wie beispielsweise der Abellio fahren, sind von den Verspätungen betroffen. „Allerdings nicht durch uns selbst verursacht“, betont Ronald Lünser, Geschäftsführer von Abellio Rail. „Unsere modernen Züge haben durch ihre Konstruktion eine Art Traktionskontrolle, wie man sie beim Auto kennt, so dass es nicht zum Rutschen auf den Gleisen kommt.“

Allerdings sind auf dem Schienennetz, zum Beispiel der Ruhr-Sieg-Strecke, nicht nur Abellio-Züge unterwegs, sondern auch die schweren Güterzüge der Bahn, die die Rutsch-Probleme haben. „Und dann stehen wir sozusagen im Stau, denn ausweichen oder überholen können wir mit unseren Zügen ja nicht“, ärgert sich Lünser.

Kunden raten Bahn wie Abellio, sich online über die aktuelle Pünktlichkeit ihrer Züge zu informieren und gegebenenfalls früher zu fahren. „Wenn das Wetter stürmisch ist und regnerisch, dann kann man schon fast die Probleme vorhersehen“, sagt Ronald Lünser. Und das heißt: Lieber mehr Zeit für Umstiege oder Ankünfte einplanen.

 
 

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