Helmut Manz gibt den Takt vor

Helmut Manz ist mit 85 Jahren im Neuenrader Posaunenchor immer noch aktiv, der Posaunist hilft hin und wieder auch an der kleinen Trommel aus, wie zuletzt beim Rosenfest im ev. Altersheim Neuenrade.
Helmut Manz ist mit 85 Jahren im Neuenrader Posaunenchor immer noch aktiv, der Posaunist hilft hin und wieder auch an der kleinen Trommel aus, wie zuletzt beim Rosenfest im ev. Altersheim Neuenrade.
Foto: Udo Schnücker

Neuenrade.. Eigentlich ist er mehr mit der Zugposaune vertraut. Aber wenn Not am Mann ist, dann sitzt er auch am Schlagzeug, „weil das ja sonst keiner macht.“

Und eigentlich ist das auch keineswegs ungewöhnlich, dass Musiker mehrere Instrumente spielen. Aber bei Helmut Manz ist das schon etwas anderes, weil der rüstige Neuenrade auf beachtliche 85 Lebensjahre blicken kann, seiner Zugposaune satte Töne entlockt und aus dem Handgelenk heraus auf der kleinen Trommel zum Wirbel ansetzt.

Die achteinhalb Jahrzehnte sind dem Oldie nicht anzusehen. Locker sitzt er an seiner „Schießbude“ und meint damit umgangssprachlich das Schlagzeug, auch wenn es nur die kleine Trommel ist, die er mit den Schlagzeugstöcken bearbeitet. Das mit Locker und Lustig sein hört auf, wenn er mit den Schlagzeugstöcken den Rhythmus mit vier Takten vorgibt. Dann kann es sein, dass er wie ein alter Fuhrmann schimpft, wenn seine Mitstreiter mit einem anderen Tempo loslegen. Einmal Musiker, immer Musiker, so seine Devise.

Zigtausend Auftritte sind es gewesen

Seit 62 Jahren hält Helmut Manz dem Evangelischen Posaunenchor Neuenrade die aktive Treue, hat Höhen und Tiefen erlebt und wünscht sich, dass es „einige Musiker mehr im Posaunenchor sein könnten.“ Er selbst hat nie ans Aufhören gedacht. Es ist die Liebe zur Musik, die Liebe zur vielfältigen Blasmusik, die ihn immer wieder donnerstags zur Probe eilen lässt.

Ob Choral oder Marsch, Helmut Manz zählt aus dem Gedächtnis auf, was er musikalisch in seinem Leben gemeistert hat. Und so ganz nebenbei meint er, dass es schon „zigtausend Auftritte gewesen sind, bei denen ich dabei war!“

Der Einstieg ins hobbymäßige Musikerdasein schaffte er mit zehn Jahren. Damals hat er Trompete geblasen, weil das „zackig war.“ Über 15 Jahre entlockte er der Trompete Töne. Dann war es sein Vater Fritz, der einst als Dirigent vor dem Neuenrader Posaunenchor stand und ihn zum Umstieg auf die Posaune bewegte.

Den Wechsel zum Posaunisten hat Helmut Manz nie bereut und richtig in Fahrt kam und kommt er immer dann, wenn er mit einem Kesselmundstück den Ton durch das zylindrisch geformte Rohr an der Posaune hörbar macht. Und er muss etwas schmunzeln, wenn er davon erzählt, dass die dynamische Spannbreite des Tons etwa bei 37 Dezibel liegt. Diese Lautstärke wurde durchweg beim Marsch „Zum Städtle hinaus“ erreicht - ob aber mehr von den Blechbläsern oder den Schlagzeuginstrumenten..,, danach hat Helmut Manz nie gefragt. Er schmunzelt, weil der Marsch „Zum Städtle hinaus“ eben sein Lieblingsmarsch ist.

Im Evangelischen Posaunenchor Neuenrade geht es kumpelhaft und augenzwinkernd zu, wenn von dem 85-jährigen Neuenrader Urgestein die Rede ist. Ab und zu, so weiß Dirigent Rüdiger Wisnewski mit treuem Augenaufschlag zu sagen, gebe er „zwar Widerworte und rede im Kommandoton“, aber dafür habe er auch jeden Donnerstag auf der Probe einen neuen Witz parat.

Im „zarten Alter“
ein Multitalent

Bei kirchlichen Anlässen ist Helmut Manz noch als Posaunist zu hören, bei anderen Gelegenheiten „tut er sich die Ruhe an“ und zeigt seine Fähigkeiten an der Schießbude. Zuletzt wirbelte er auf seiner Snaredrum („Früher nannte man das kleine Trommel“) beim „Rosenfest“ im Evangelischen Altenzentrum.

Er sei, so frotzeln seine Musikerkameraden, „auch im zarten Alter von 85 Jahren ein Multitalent“. Wahrscheinlich zählt Helmut Manz mit seinen 85 Lenzen auch über Neuenrades Grenzen hinaus zu den dienstältesten Musikern in der Region.

Es ist der trockene Humor, der den zweifachen Urgroßvater auszeichnet. Bei herzhaften Sprüchen genießt er wegen seines Alters kumpelhaft-deftige Vorrechte. Und so ganz ohne Nachwuchs sieht er seinen Posaunenchor nicht. Der Musikerkollege, der neben ihm stehe und auf die Pauke haue, sei zwar „erst 70“, also „fast noch ein Schnöbber, aber durchaus im Posaunenchor einsetzbar...!“

Und dann trinken sie ein Glas Gerstensaft, diese Oldies mit dem ewig jungen Musikerherzen.

 
 

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