Haus Averforth: den Kriegen getrotzt

Matha, Wilhelm (r.) und Hartwig Kühn leben in Haus Averforth in Haffen. Auch die Außenanlagen werden die Besucher am Tag des offenen Denkmals begeistern. Foto: Roy Glisson / WAZ FotoPool
Matha, Wilhelm (r.) und Hartwig Kühn leben in Haus Averforth in Haffen. Auch die Außenanlagen werden die Besucher am Tag des offenen Denkmals begeistern. Foto: Roy Glisson / WAZ FotoPool
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Haffen..  Am Tag des offenen Denkmals kann Haus Averforth in Haffen besichtigt werden. Besonders beeindruckend sind die Stuckdecken.

Noch sind die Maler im Haus, um für den Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 11. September, die prächtigen Stuckdecken und Wände zu weißen. Immerhin stammen die wertvollen Arbeiten aus dem 18. Jahrhundert. Martha und Wilhelm Kühn und Sohn Hartwig bewohnen Haus Averforth, dessen Name erstmals 1409 als Ortsbezeichnung in den Annalen Erwähnung findet.

Allein durch seine repräsentative Architektur und die das Haus umschließende Grabenanlage, erweckt es den Eindruck eines adeligen Hauses. Vor der Toreinfahrt steht beschützend die Mater Dolores. „Es heißt, dass hier im Graben ein Kind ertrunken ist“, erzählt Martha Kühn, doch Genaueres sei nicht überliefert.

Das Haupthaus, mit eingelassenem Stein mit der Jahreszahl 1685, ist der Hauptbestandteil der Hofanlage, die über eine Brücke, gesäumt von zwei Pfeilern, zugänglich ist. Von der Brücke bis zum neuen Querhaus führt eine prächtige Zaunanlage, die durch das Eingangsportal mit zwei Eckpfeilern unterbrochen wird.

Der Vater von Wilhelm Kühn erwarb das Haus im Jahr 1932. Großvater Kühn besaß in Obrighoven einen Hof, den der älteste Sohn erbte. Der zweite Sohn erwarb daher Haus Averforth, das sich damals in keinem guten Zustand befand. Bereits dreimal war das Hinterhaus in der langen Geschichte des Anwesens abgebrannt. Doch immer überlebten die Stuckdecken und Kamineinfassungen.

Das Haus besaß eine Kirchenkammer

Mehrer Pastöre haben als Untermieter in Haus Averforth gewohnt. Immerhin hielt von 1741 bis 1801 die reformierte Kirche in Haffen in der Kirchenkammer des Hauses Gottesdienste ab. Wie übrigens auch nach der Zerstörung der evangelischen Kirche nach dem Krieg.

In den historischen Dielenfliesen im Flurbereich sind Einschüsse zu finden. Sie erzählen vom Beschuss des Hofes 1945. „Dass die Stuckdecken die Detonationen überlebt haben, liegt wohl daran, dass sie auf Reet gezogen sind“, hat Martha Kühn in Erfahrung gebracht. Sie selbst stammt von einem Hof in Brünen und hat ihren Mann Wilhelm schon während ihrer Schulzeit in Haus Aspel kennen gelernt. Wenn sie am Sonntag die Besucher durchs Haus führen wird, erleben diese sicher auch ihre Begeisterung für das Haus und seine Geschichte. Ebenso wie ihre Leidenschaft für den wunderschönen Bauerngarten.

Große Beachtung findet die Stuckdecke im großen Saal. Hier entdeckt man in den Ecken vier Symbole: Schwert für Glaube, Sonne für Hoffnung, Herz für Liebe und die Kirche von Rhenen (Haffen) für Heimat. Ein prächtiges Rankenwerk umgibt die Darstellungen. Die Verzierung auf der Kaminplatte zeigt in einem Medaillon zwei nackte Jünglinge, die sich zum Zeichen des Friedens vor Waffen umarmen. Sie mögen dem Haus Frieden beschert haben. Im Jagdzimmer dominiert an der Decke der preußisch gekrönte Adler mit Zepter und Schwert.

Der Name das Hauses stammt von Heinrich Averforth, der von 1513 bis 1553 als Leihnehmer auf dem Hof wohnte. Als Kirchmeister und Schöffe hat er vermutlich das Haus repräsentativ ausgebaut.

Immer wieder wurde es umgebaut, verändert. „Man kann auf dem Dachboden noch gut verschiedene Giebelkonstruktionen erkennen“, erläutert Hartwig Kühn, der vor zehn Jahren den Betrieb vom Vater übernahm und sich auf Milchviehhaltung spezialisiert hat.

Die Familie weiß die Historie zu schätzen und pflegt das Anwesen mit großer Leidenschaft. So Gott will, wird der Saal im kommenden Jahr noch einmal mit viel Leben gefüllt werden. Wenn hier Martha und Wilhelm Kühn ihre Goldhochzeit feiern.

Führung

Wilhelm und Martha Kühn führen die Besucher am Sonntag in der Zeit von 11 bis 17 Uhr ins Jagdzimmer, in den Saal und durch den Außenbereich am Finkenschlagweg 3.

 
 

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