Haifisch in Bossa Nova-Wellen

Die Big Band Dorsten auf der Freilichtbühne. Foto: André Elschenbroich / WAZ FotoPool
Die Big Band Dorsten auf der Freilichtbühne. Foto: André Elschenbroich / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten. Mit seinem Westernhagen-Zitat war der Bürgermeister in den falschen Abend geraten – oder er stand noch unter dem gewaltigen Eindruck, den ROR hinterlassen hatte. „Ich bin wieder hier / in meinem Revier“ würde Götz Alsmann kaum anstimmen.

Das passt nicht zum einstigen „Krawattenmann des Jahres“, auch wenn’s schon sein drittes Gastspiel mit der Big Band Dorsten war. Beide, die Swing-Jazzer und der Sänger, zeigten sich in Bestform: als tadellos gekleidete Meister des guten Tons. Für die Band war Benny Carters „The Legend“ eine Visitenkarte, die sie ohne falsche Bescheidenheit überreichten: Erst röhrte tiefergelegtes Gebläse den mitternachtsblauen Auftakt, dann folgte helle Swing-Eleganz.

„Mit der Count Basie-Literatur“, erklärte der als Moderator für diesen perfekten Spätsommerabend etwas zu dröge Hans Christian Dörrscheidt, wagten sich ja viele Big Bands ins anspruchsvolle Fach. Für die Dorstener lieferte der „Count“ markante Eckpunkte zweier groß ausgespielter Sets. Dazu zählte unbedingt der kurze Auszug aus der „Kansas City Suite“, William Basies Hommage an die Jazz-Metropole am Missouri.

Zum Instrumental-Arrangement von Neal Heftys „Girls’ Talk“ fiel einer Kollegin der gut platzierte Kommentar ein: „Hier ist auch viel Men’s Talk“. Das lässig-verträumte Klaviersolo durchdrang, in der Tat, nicht überall auf dem Markt den beschwingten Plauderton. Die ihm gebührende Aufmerksamkeit holt sich ein Götz Alsmann dagegen problemlos. „Mein liebster Gast“ sang der 53-Jährige mit leicht schattiertem Timbre – und prompt zog die Big Band das Tempo an.

„Diese Band hinter sich zu spüren ist großartig.“ Der Sänger so dufter Lieder wie „Dufte“ und „Couscous“ pries auch das „nahezu probenfreie“ Miteinander. Wie das wohl gemeint war? Mit Kurt Weills „Mackie Messer“ machte der Gast aus Münster die Klasse der Band und seiner selbst deutlich: Der Haifisch durfte in Bossa Nova-Wellen baden; das Arrangement war maßgeschneidert für den durchtriebenen Schönsänger, der rollengerecht auch fies klingen kann. Nach hunderten von „Mackie“-Arrangements war dieses taufrisch. Das großartige Entrée für Sänger und Band war nicht mehr zu toppen.

Das sagt natürlich gar nichts gegen die mit Witz und Geschmack präsentierte Auswahl, die noch folgen sollte. „Große Ensemble-Arbeit, fantastische Breaks“, rühmte der Entertainer alter und neuer Schule. „Hier weiß man, was der Körper will.“ Er bekam Paul Kuhn und Gitte: gründlich entschlagert, cool und splissfrei bis in die pomadisierten Haarspitzen.

 
 

EURE FAVORITEN