Guttenbergs Rolle rückwärts - von Dirk Hautkapp

Dirk Hautkapp
Mit seiner Ankündigung vom Montagabend, auf seinen Doktortitel auf Dauer zu verzichten, distanziert sich Verteidigungsminister zu Guttenberg von sich selbst. Eine Befreiung in letzter Minute.

Berlin. Nun also doch. Der momentan umstrittenste Doktortitelträger der Republik gibt klein bei. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg distanziert sich von seiner eigenen Promotion. Und damit ein Stück von sich selbst.

Das große „Mea Culpa“ des CSU-Politikers ist eine Befreiung in letzter Minute. Vor nicht mal einer Woche nannte er die Vorwürfe noch „abstrus“. Jetzt räumt er unter dem Druck der täglich gewaltiger gewordenen Beweislast ein, ganz allein für die endlose Reihe von Fehlern und Peinlichkeiten verantwortlich zu sein, die in der akademischen Welt ihresgleichen sucht.

Sein Erklärungsversuch, er habe beim Doktorarbeiten die Übersicht verloren und darum so oft abgekupfert, hinterlässt ein ungutes Gefühl. Wenn Guttenberg schon bei seiner Promotion den Kompass verlor, wie will der Mann eigentlich die Bundeswehr durch die größte Reform seit Bestehen der Streitkräfte bringen?