Guttenberg soll Doktorarbeit nicht selbst verfasst haben

DerWesten
Die Vorwürfe gegen Guttenberg gehen immer weiter: Laut einem Medienbericht vermuten führende Koalitionskreise, dass der Verteidigungminister seine Doktorarbeit nicht selber geschrieben hat. Im Moment gibt Kanzlerin Merkel ihm noch Rückendeckung.

Köln. Führende Koalitionskreise gehen einem Zeitungsbericht zufolge davon aus, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) seine 2006 eingereichte Doktorarbeit trotz gegenteiliger Beteuerungen „nicht selbst geschrieben hat“. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf Vertreter von Union und FDP. Diese Vermutung lege sowohl das Ausmaß der plagiierten Stellen als auch die Tatsache nahe, dass die Einleitung des 475-Seiten-Werkes schon mit einem Plagiat beginne, heißt es demnach. Schließlich sei „die Einleitung das Persönlichste überhaupt“.

Guttenberg selbst hatte in seiner ersten Erklärung zu der Affäre am Mittwoch noch behauptet: „Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.“ Sollte man ihm das Gegenteil nachweisen können, werde der CSU-Politiker auf jeden Fall zurücktreten müssen, lautet dem Zeitungsbericht zufolge die Einschätzung in der Koalition.

Merkel lobt Guttenbergs „offensives“ Vorgehen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Guttenberg derweil den Rücken gestärkt. Sie begrüßte die Klarstellung des unter Plagiatsverdacht geratenen Verteidigungsminister. Der Minister habe seinen Fehler bedauert und zugesichert, dass er bei der Aufklärung der Vorwürfe mit der Universität Bayreuth zusammenarbeiten wolle, sagte Merkel am Freitag Südwestrundfunk (SWR). Damit habe der CSU-Politiker gezeigt, dass er mit der Angelegenheit „sehr offensiv“ umgehe.

Auf die Frage, ob der Verteidigungsminister noch zu halten sei, wenn sich die Plagiatsvorwürfe als richtig herausstellten, sagte Merkel, sie halte „nichts davon, irgendwelche Spekulationen anzustellen“. Im Übrigen stehe sie zu Guttenbergs Arbeit als Verteidigungsminister „und zu ihm natürlich auch als Persönlichkeit“. Der Minister sei mit einer Bundeswehrreform betraut, „die es in diesem Ausmaß überhaupt noch nicht gegeben“ habe. „Dafür braucht er meine Unterstützung, und dafür bekommt er sie auch.“ (dapd)