Gurken werden kaum gekauft

Foto: WR

Lünen. Auf einem Wochenmarkt wird von Natur aus viel geredet. In diesen Tagen jedoch noch viel mehr als sonst. Vor fast jedem Einkauf hören die Händler eine ganz bestimmte Frage: Woher kommt dieses Produkt? Es herrscht Unsicherheit bei den Kunden und ein enormer Redebedarf.

Elke Meyer geht regelmäßig auf den Wochenmarkt. Frisches Gemüse lässt sie aber lieber liegen und kauft stattdessen mehr Obst, der EHEC-Keim ist schuld daran. „Solange ich nicht höre, dass man Tomaten, Salat und Gurken wieder bedenkenlos essen kann, kaufe ich sie nicht.“ Bei der Lünerin Barbara Paulkowski kommt nun mehr Tiefkühlkost und Gemüse aus Dosen auf den Tisch. „Ich will nicht an der Dialyse hängen, das Risiko will ich nicht eingehen, also verzichte ich.“ Und auch wenn es Entwarnung gebe, so manch frische Gemüsesorte wird von ihr langfristig von der Liste gestrichen.

Das veränderte Einkaufsverhalten kommt vor allem bei den Händlern an. Doch die sind vorbereitet. „Ich habe nur ganz wenig Tomaten dabei, kaum Gurken und der Salat wird zu 70 Prozent weniger gekauft“, erklärt der Marktbeschicker Thomas Fränzer. „Also stellen wir uns darauf ein.“ In zwei Wochen kämen außerdem die deutschen Tomaten auf den Markt, dann würde auch wieder mehr gekauft. Heimische Produkten seien bei den Verbrauchern weiter hoch im Kurs. Mit großen Einbußen im Geschäft rechnet er nicht. „Es kann sich längt kein Markthändler mehr leisten, sich nur auf wenige Produkte zu beschränken.“ Und da die meisten ein breites Sortiment anbieten würden, könne der Ausfall bei besagten Gemüsesorten kompensiert werden. „Uns macht heute eher das schlechte Wetter zu schaffen“, erklärt die Marktbeschickerin Susanne. Sie verkauft seit 15 Jahren hauptsächlich Obst und ein wenig Gemüse, dadurch sei der Stand aus Castrop-Rauxel kaum betroffen. Solch ein verunsichertes Einkaufsverhalten hat sie schon öfter erlebt. Zum Beispiel als die niederländischen Tomaten im Ruf standen gespritzt zu sein, machten Kunden einen Bogen um sie. „Das ist bei einigen bis heute so, etwas von solchen Anschuldigungen bleibt immer hängen.“ Doch nun stünden spanische Produkte im Blickpunkt. „Und die Holland-Tomaten sind auf einmal wieder ganz stark im Kommen.“ Sie hofft, dass sich der Handel mit spanischem Gemüse wieder erholt.

Der Marktbeschicker Sahin Temiz glaubt nicht, dass der EHEC-Keim seinen Ursprung in Spanien hat. „Warum ist dort keiner krank und warum häufen sich die Fälle in Niedersachen?“ Den ganzen Winter gab es Gurken, Paprika und Tomaten aus dem Land, warum ist keiner krank geworden. Da steckt was anderes dahinter“, glaubt er. Doch die Verunsicherung der Kunden ist groß, der Informationsfluss dürftig. „Ich beziehe vieles von heimischen Bauern, nur wenig kaufe ich von weiter weg dazu.“ Den Kunden zuliebe meist noch aus Belgien und den Niederlanden. Das Wort Spanien wollen die meisten zurzeit nicht hören, wenn sie die Marktbeschicker nach den Produkten fragen.

 
 

EURE FAVORITEN