Großmeister der Schiffbauerzunft

Prof. Dr.-Ing. Bettar Ould el Moctar und Student Severin Baumann
Prof. Dr.-Ing. Bettar Ould el Moctar und Student Severin Baumann
Foto: NRZ
Severin Baumann ist erst 22 Jahre alt und trägt bereits den Titel „Großmeister der Schiffbauerzunft“. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein studentisches Ehrenamt. Der Reeser studiert nämlich Schiffstechnik, Meerestechnik und Transportsysteme an der Universität Duisburg-Essen im fünften Semester.

Rees/Duisburg. Severin Baumann ist erst 22 Jahre alt und trägt bereits den Titel „Großmeister der Schiffbauerzunft“. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein studentisches Ehrenamt. Der Reeser studiert nämlich Schiffstechnik, Meerestechnik und Transportsysteme an der Universität Duisburg-Essen im fünften Semester.

Nach dem Abitur stand für den Reeser fest, dass er sich für ein technisches Studium interessiert. Und da sein Vater im Duisburger Hafen im Bereich Logistik tätig ist, lag die Affinität zum Schiffsbau nahe.

Aber was ist eine Schiffbauerzunft? Die Schiffbauerzunft, die die Fachschaft der Schiffbaustudenten darstellt, nennt sich Metazentrum und besteht seit 1954 in Duisburg. Ihr steht der Zunftrat vor, der sich aus dem Großmeister, dem Schatzmeister und dem Schriftmeister zusammensetzt. Die Aufgabe des Großmeisters besteht darin, das Metazentrum nach außen zu vertreten, wie zum Beispiel auf Schiffbauerfesten anderer Universitäten, auf Messen oder den Sitzungen des Instituts für Schiffstechnik, Meerestechnik und Transportsysteme der Universität Duisburg-Essen. „Es gibt aber auch den Biermeister, der für Getränke auf unserem Saal sorgt, oder den Homepagemeister, der die Homepage verwaltet. Liebevoll nennen wir diese fleißigen Helfer ‘Schergen’“, erklärt Severin Baumann.

Zentraler Treffpunkt der Schiffbauer ist der „Saal“, ein großer Zeichen- und Lernbereich. Mit einer „Feuerzangenbowle“ stellen sich hier auch die neuen Erstsemester vor. „Beim Kielschweinessen zelebrieren wir unsere traditionelle Weihnachtsfeier mit einem Spanferkel. Bei dem Poseidonfest, das am vergangenen Wochenende stattfand, besuchte uns unsere Gottheit Poseidon, um nach dem Rechten auf Erden zu sehen.“ Hierbei treffen sich alle Studenten der anderen deutschen Schiffbauerunis oder Fachhochschulen (Hamburg, Bremen, Rostock, Berlin, Kiel und Flensburg) zu einem feuchtfröhlichen Austausch. In diesem Jahr feierten die Absolventen des Abschlussjahrgangs 1961 des Schiffsbaustudiengangs in Duisburg ihr 50-jähriges Diplom.

Fast wie eine
große Familie

Severin Baumann ist vom Studium total begeistert. Der Studiengang ist inzwischen auf Bachelor und Master umgestellt. „Der Kontakt zwischen den Lehrenden und den Studenten ist ausgezeichnet. Mit 100 Studenten fühlen wir uns fast wie in einer Familie.“ Dabei nennt er die stetige Unterstützung bei Problemen durch Mitstudenten aller Semester, großer Zusammenhalt unter den Schiffbauern und besonders gute Berufsaussichten. „Vor zwei Jahren wurde mir aus der Wirtschaft zugetragen, dass auf ca. 200 offene Stellen pro Jahr circa 75 Absolventen kommen“. Severin Baumann hat zudem erfahren: „Ein Schiffbaustudent aus Duisburg ist deshalb so angesehen in der Wirtschaft, da wir ein Grundstudium, das vier Semester umfasst, im Bereich des allgemeinen Maschinenbaus absolvieren und uns erst dann der Vertiefung der Schiffstechnik widmen. Daher ist es uns jederzeit möglich, in anderen Berufszweigen einen schnellen Einstieg zu finden.“

Denn das Studium ist so breit gefächert, dass ein Absolvent auch in der Luft- und Raumfahrttechnik, dem Motorenbau oder im Design orientierten Bereich einen Arbeitsplatz finden kann.

Das bestätigt auch sein Professor, der Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Bettar Ould el Moctar: „Es gibt einen großen Ingenieurmangel. Während der Bau von Containerschiffen, Massengutfrachtern und Tankern fast komplett in asiatischer Hand ist, werden hier in Europa Spezialschiffe gebaut, wie Kreuzfahrtschiffe, Megajachten oder Versorger für Off-Shore-Anlagen.“ Wer dieses Studium absolviert hat, arbeitet entweder an Schiffsentwürfen, im Schiffsmaschinenbau, im Bereich Elektrotechnik an Bord oder im Stahlbau.

Die Studentenschaft ist aber auch bemüht, den Kontakt zur Wirtschaft durch sogenannte „Abende der Industrie“ herzustellen. Fachleute halten an der Universität Fachvorträge zu ihrem Unternehmen. Im Jahre 2010 waren dies die „Bundesanstalt für Wasserbau“ und die Spezialschiffbauwerft „Abeking und Rasmussen“. Aber auch die Praxisnähe liegt den Dozenten am Herzen. So begeisterte eine Exkursion zu Schottel in Spay am Rhein und zu Marin in Wageningen (NL) die Studenten.

Der absolute Höhepunkt war eine Exkursion nach China. 22 Studenten besichtigten repräsentative Werften vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung der Schiffbau- und Off-Shore-Industrie Chinas. Im siebten Semester steht ein zwölfwöchiges Praktikum in einer Werft auf dem Studienplan. Hierfür hat sich Severin Baumann bereits bei großen Werften u.a. in Hamburg beworben. Nur an Bord hat er bisher noch nicht gearbeitet.

 
 

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