Großer Unternehmer mit Rückgrat

Der Unternehmer und Kommunalpolitiker Dieter Buttgereit verstarb am 23. November 2010.
Der Unternehmer und Kommunalpolitiker Dieter Buttgereit verstarb am 23. November 2010.
Foto: WR

Plettenberg.. Fünf Tage vor seinem 78. Geburtstag verstarb am Dienstag Dieter Buttgereit. „Der Lange“, wie er von Vertrauten gerne ob seiner Körpergröße gerufen wurde, ge­noss nicht nur als Unternehmerpersönlichkeit, der die Plettac AG aus kleinsten Anfängen heraus bis Mitte der 1990er Jahre zum Branchenführer im Bereich Gerüste und Gerüste-Dienstleistungen entwickelte, höchstes Ansehen, sondern auch als grundehrlicher, zuverlässiger Mensch mit großem sozialen Verantwortungsbewusstsein.

Als echter Eiringhauser Junge wurde Buttgereit 1939 in der Jüttenschule eingeschult. Die Kriegswirren überschatteten seine Volksschulzeit. Erst nach Kriegsende konnte er zum Gymnasium nach Altena wechseln – bis er sich Ende der 1940er Jahre von der Enge des Altenaer Lennetals so sehr in seinem Bewegungsdrang be­drückt fühlte, dass er der Schule so schnell wie möglich den Rücken kehren wollte. Keine Mahnungen und selbst ein Besuch des Lehrers bei seinen Eltern konnten Dieter Buttgereit davon abbringen, seine Vorstellungen von beruflichem Fortkommen und eigener, kreativer Gestaltung des künftigen Lebensabschnitts durchzusetzen.

Wenig Geld, aber
Wagemut und Weitsicht

Um den Eltern nach dem Schulabbruch nicht auf der Tasche zu liegen, verdiente sich der 16-Jährige sein erstes Geld in einem Walzwerk, später in einer Zimmerei, ehe er seine kaufmännische Lehre in der Gesenkschmiede W. Wagner antrat. Im Alter von 30 Jahren lieh sich Buttgereit 5000 Mark und kaufte den Betrieb, der ihn ausgebildet hatte.

1962 gründete Buttgereit die Plettenberger Eisenwaren GmbH, aus der er als einer der erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit die Plettac AG formte. Eine ebenso ungewöhnliche wie für ihn charakteristische berufliche Karriere, mit der er ein beispielhaftes Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte schrieb.

Mit wenig Geld, aber umso mehr Wagemut, Weitsicht und Geschick hatte Buttgereit den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Und mit dem ihm eigenen Unternehmergeist, seinem Gespür für Marktnischen und -erfordernisse (1966 nahm er Baugerüste in sein Lieferprogramm auf und baute die Geschäftsbereiche Hallen und Zelte, Gerüstvermietung und -montage, Schalungssysteme und Sicherheitstechnik auf) schlug er einen Erfolgskurs ein, der die Konkurrenz vor Neid erblassen ließ. Der Plettac-Umsatz kletterte intern und durch geschickte Akquisitionen fast Jahr für Jahr zweistellig.

Er diversifizierte und internationalisierte das Unternehmen. Im Juli 1993 krönte Buttgereit sein Lebenswerk mit dem Börsengang. Die Plettac-Aktie gehörte zu den erfolgreichsten Neuemissionen. „Der Macher“ selbst hielt nur noch wenige Anteile; Kapitalgeber waren in den Zeiten der Expansion private Anleger.

Dabei benutzte Buttgereit nie Ellenbogen. Das hätte seinem Naturell eines Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle widersprochen. Ganz im Gegenteil. Als Unternehmer war er sich stets seiner Verantwortung für bis zu 2600 Mitarbeiter bewusst. Für jeden seiner Arbeiter und Angestellten zeigte Buttgereit ein offenes Ohr, wenn Sorgen drückten. Und der Chef half, wenn es in seiner Macht stand.

Seinem Ausscheiden
folgte der Niedergang

Im Oktober 1994 wechselte Buttgereit an die Spitze des Aufsichtsrats der Plettac AG. Neuer Vorstandsvorsitzender wurde Dr. Jürgen Schwericke. Buttgereit verabschiedete sich aus seiner operativen Tätigkeit mit knapp 700 Mio. D-Mark Umsatz und 105 Mio. D-Mark Geschäftsergebnis. Im Januar 1996 schied er vollends aus, konzentrierte sich fortan auf Tätigkeiten in mehreren Aufsichtsräten und Beiräten und nahm sich mehr Zeit für Familie und Hobbys wie die Jagd in Brandenburg, Natur, Kunst.

Nach verhängnisvoller Expansion des Buttgereit-Nachfolgers, die die Plettac AG zur Jahrtausendwende an den Rand der Pleite brachte, folgte im Unternehmen die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft – Gerüste. Zu diesem Zeitpunkt hatte Buttgereit mit dem Unternehmen längst abgeschlossen und die Entwicklung aus kritischer Distanz betrachtet.

 
 

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