Große Beteiligung bei erstem Treffen

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Lünen..  68 Vertreter aller Parteien, Kirchen, muslimischer Gemeinschaften, der Gewerkschaften und Sozialverbände, der Stadt und des Integrationsrates kamen am Montag Abend zu dem ersten Treffen für ein Bündnis gegen Rechts.

Landtagsabgeordneter Rainer Schmeltzer, der zu dem Treffen ins SPD-Büro eingeladen hatte, ging noch einmal auf den Anlass ein, der ihn zu diesem Schritt bewogen hatte. Karfreitag 2010, als im Südpark der von den Nazis Ermordeten gedacht wurde, seien in Lünen 100 Häuserwände mit rechten Parolen beschmiert gewesen. Dann der Nazi-Aufmarsch am 27. August in der Merschstraße und wenige Tage später die rechten Schmierereien am SPD-Büro in der Stadttorstraße. „Kurze Aufschreie und dann wieder Ruhe“, das habe er schon so oft erlebt, meinte Schmeltzer. Das könne es nicht sein, habe er sich nach den jüngsten Ereignissen gedacht und zu dem Bündnis aufgerufen. Die Resonanz darauf hatte ihn positiv überrascht.

Nazis wohnen in Lünen und sind hier aktiv. Das wurde am Montag mehrfach betont. Sie sind untereinander übers Internet gut vernetzt und werden aus anderen Städten unterstützt. So auch beim Nazi-Aufmarsch am 27. August, der von außerhalb organisiert wurde und am selben Tag in anderen Städten wie Schwerte fortgesetzt wurde.

Von wie vielen Nazis reden wir, wollte Uwe Planer vom DGB wissen. „Genaue Zahlen wird uns niemand nennen“, erklärte Schmeltzer. Auch der Staatsschutz nicht. Aber die Namen seien der Polizei zum Teil bekannt.

Michael Reddig von der Jugendfeuerwehr Lünen empfahl, konkret gegen die Unterwanderung von Nazis vorzugehen. „Die versuchen gezielt mit T-Shirts oder CDs Jugendliche zu ködern“. Das habe er bei Seminaren der Deutschen Feuerwehrjugend erfahren.

Dr. Matthias Laarmann (GFL) berichtete, dass sich auch in Lüner Familien „dramatische Verhältnisse“ abspielten, „dass Eltern zusehen müssen, wie ihre Kinder von den Rechten verführt werden“. Man müsse die Jugendlichen aufklären, stark machen und von vornherein ins Bündnis miteinbinden, erklärte Annette Droege-Middel (CDU).

Das Problem sei in Lünen nicht neu, berichtete Pfarrer Volker Jeck von der evangelischen Kirchengemeinde. In seiner ersten Konfirmanden-Gruppe vor 20 Jahren hätten 12-Jährige schon Kontakt zur DVU gehabt. „Seitdem ist die Diskussion um Jugendliche, die sich von den Rechten abfangen lassen, aktuell geblieben.“

Damals seien konkrete Gegenaktionen in Kooperation mit der Käthe-Kollwitz-Schule erfolgreich gestartet worden. Jeck riet, auch diesmal genau zu schauen, wie sich das Problem mit den Rechten darstellt und darauf abgestimmt gegenzuhandeln.

Erika Roß von Bündnis 90/Die Grünen hält es auch für wichtig, Aussteigern aus der rechten Szene Anlaufstellen und Hilfe anzubieten.

Konkrete Einschätzungen über Nazis in Lünen sind von der Antifa zu erwarten. Die Gruppe hat die rechte Szene seit Jahren im Blick. Jeck riet, auf die Erfahrung dieser Jugendlichen gezielt zurückzugreifen.

Hans-Jürgen Meier von der IG-Metall Dortmund ermutigte, das Thema ohne Vorbehalte anzupacken. Die Erfahrung aus dem Dortmunder Bündnis habe gezeigt, dass im Kampf gegen Rechts Politik und Stadtspitze vorne stehen müssen.

Beigeordneter Horst Müller-Baß empfahl, mehrgleisig zu fahren: Den Nazis klare Kante zu zeigen („das machen wir heute Abend“), Strategien für das weitere Vorgehen zu finden und Jugendliche in Schule und Sport gegen die Klauen von rechts zu stärken („das ist eine ständige Aufgabe“).

Vor dem nächsten Treffen will Rainer Schmeltzer Einschätzungen von Polizei und Stadt über die rechte Szene in Lünen einholen. Auch soll Kontakt zur Antifa hergestellt werden.

Um Handlungsstrategien zu entwickeln, schlug Martin Püschel (SPD) vor, die Erfahrungen des Dortmunder Bündnisses gegen Rechts, der Gewalt-Akademie Villigst und anderer Einrichtungen, die sich mit dem Thema befassen, einzuholen.

Schmeltzer betonte, dass das Bündnis offen sei für alle engagierten Bürgerinnen und Bürger. Die nächste Zusammenkunft soll wegen des Raumbedarfs an anderer Örtlichkeit stattfinden.

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