Grlic - ein wertvoller Oldie für den MSV Duisburg

Dirk Retzlaff
Sieger-Choreografie: Bruno Soares „erschießt“ seine MSV-Kollegen, die dann der Reihe nach umfallen.
Sieger-Choreografie: Bruno Soares „erschießt“ seine MSV-Kollegen, die dann der Reihe nach umfallen.
Foto: Christoph Reichwein

Osnabrück/Duisburg. Ivica Grlic führte den MSV Duisburg in der zweiten Liga zum Auftaktsieg beim VfL Osnabrück. Der 35-Jährige war beim 3:1 an allen Zebratoren beteiligt.

Der alte Mann lobte den jungen Wilden. „Ich sage doch schon seit Wochen, dass Julian bärenstark ist“, stellte MSV-Routinier Ivica Grlic gestern im Stadion an der Bremer Brücke Youngster Julian Koch ein Zeugnis mit Bestnoten aus. Der MSV Duisburg siegte zwar auch dank einer geschlossenen Teamleistung beim Zweitliga-Neuling VfL Osnabrück mit 3:1 (1:1), doch Grlic (35) und Koch (19) waren die entscheidenden Figuren.

Noch vor zehn Tagen im DFB-Pokal-Spiel in Lübeck hatten sich Grlic und Koch auf ungewohnten Positionen wiedergefunden. Koch im Mittelfeld, Grlic gar auf der Reservebank. An der Bremer Brücke hatte gestern alles wieder seine Richtigkeit. Koch verteidigte hinten rechts, Grlic spielte im defensiven Mittelfeld.

Mit einem 19-Meter-Freistoß brachte der Bosnier den MSV vor 14600 Zuschauern nach 23 Minuten in Führung. Das hatte nicht nur mit alter Klasse zu tun, sondern auch mit harter Trainingseinheit am Samstag. Coach Milan Sasic hatte ausgiebig Standards üben lassen.

Auch beim 2:1 nach 65 Minuten machte sich die Übungsarbeit bezahlt. Ivo Grlic zirkelte die siebte MSV-Ecke in den Strafraum, Koch war zur Stelle und köpfte aus drei Metern ins Osnabrücker Netz. Milan Sasic freute sich diebisch über die erfolgreichen Standards. „Wir haben den Gegner bei unseren Eckbällen im Strafraum attackiert. Die hatten damit große Probleme“, freute sich Sasic.

Dass der VfL Osnabrück lediglich per Elfmeter durch Matthias Heidrich (28.) erfolgreich war, belegt, dass der MSV hinten weitgehend sicher stand und kaum Chancen zuließ. Selbst der Elfmeter war zweifelhaft. Schiedsrichter Christian Dingert entschied auf Handspiel, als der Ball Julian Koch an die Hand sprang. „Das war unabsichtlich. Der Ball hatte einen ganz komischen Drive“, versuchte sich Koch zu rechtfertigen.

Nicky Adler blieb gegen
seinen Ex-Klub blass

Das Osnabrücker Spiel hatte hingegen kaum Drive. Zwar war die VfL-Spielstätte nicht ausverkauft, die Zuschauer sorgten trotzdem für eine hitzige Atmosphäre. Doch der MSV hatte das Spiel schnell im Griff und so kehrte auch schnell Ruhe ins berüchtigte Stadion an der Bremer Brücke ein.

Zur zweiten Halbzeit versuchte VfL-Trainer Karsten Baumann mit der Einwechslung von Ex-MSV-Spieler Nicky Adler seinem Offensivspiel einen zusätzlichen Kick zu geben. Adler, dem das Stadionmagazin „Drin!“ die Titelseite und ein dreiseitiges Interview widmete, fand kein Mittel, um seinem ehemaligen Arbeitgeber eins auszuwischen. Der Blondschopf war bei den Duisburger Innenverteidigern Bruno Soares und Daniel Reiche abgemeldet.

Neuzugang Filip Trojan kam erst 15 Minuten vor dem Ende ins Spiel. Milan Sasic hatte lange überlegt, den Ex-Mainzer von Beginn an zu bringen, entschied sich dann aber für die zweite Variante. Der lange verletzte Mittelfeldspieler feierte immerhin einen Einstand nach Maß. Mit seinem Treffer zum 3:1 in der dritten Minute der Nachspielzeit räumte er die letzten Zweifel am Duisburger Auftaktsieg aus.

Die Vorarbeit leistete hier übrigens Ivica Grlic. „Wir sind gut gestartet und müssen darauf aufbauen. In einigen Bereichen müssen wir ruhiger und abgeklärter spielen“, mahnte der Ex-Nationalspieler an, der sich dabei auch selbst an die Nase fassen musste. Immerhin beförderte Grlic den Ball gestern in der ersten Halbzeit per Befreiungsschlag aufs Stadiondach.