GPS-Computer für die Jackentasche

Auf der "Web 2.0 Summit", die in der vergangenen Woche in San Francisco zu Ende ging, zeigte der finnische Mobilfunkhersteller Nokia sein N810, einen portablen, mit WLAN ausgestatteten Tablet-Minirechner. Das Gerät, das noch diesen Herbst erscheinen soll (US-Preis: 480 Dollar), ist etwas länger, breiter und dicker als Apples iPhone, bietet neben einem berührungsempfindlichen Bildschirm und einer Web-Kamera aber auch eine ausfahrbare Tastatur und eine GPS-Empfänger. Hinzu kommt ein Entwicklerpaket, mit dem Programmierer ihre eigenen Applikationen auf das Gerät holen können – Anwendungen wie Geotagging in Kombination mit Weblogs, das Auffinden von Freunden per Mobilteil oder ortsbasierte Spiele sollen so möglich werden.

Die "Web 2.0 Summit", für viele das Gipfeltreffen des "Mitmach-Web", war für die Vorstellung Nokia zufolge genau der richtige Ort. Der General Manager für den Bereich Multimedia bei der Firma, Anssi Vanjoki, sagte, solche Geräte seien wichtig für das Netz: "Schauen Sie doch, was im Internet passiert. Erst kamen die Suchmaschinen und die Browser. Nun, im Web 2.0, geht es um einen sozialen Ort, in dem Medien miteinander geteilt werden. Wir glauben, dass Nokia eine sehr wichtige Rolle beim Bau des nächsten Web spielen wird."

Die auf dem N810 vorinstallierte Software enthält Video- und Musikspieler, einen Browser, die Internet-Telefoniesoftware Skype, den Videochat Gizmo, Instant Messaging und ein GPS-fähige Kartenwerkzeuge. Der Prozessor läuft mit 400 Megahertz, das Gerät hat 128 Megabyte RAM und zwei Gigabyte internen Flashspeicher – dank Expansionsslot passen noch bis zu acht weitere GByte hinein.

Auf den ersten Blick liegt es nahe, das N810 mit Apples iPhone zu vergleichen. Doch das Nokia-Gerät ist kein Telefon – es kann GSM- oder UMTS-Netze nur indirekt nutzen, wenn man es per Bluetooth an ein echtes Handy anbindet. Stattdessen fällt es eher in die Kategorie der so genannten "Ultraportable Computer" – Maschinen die nicht so groß wie Laptops sind, aber zumindest teilweise ähnliche Funktionen haben. Seit Jahren schwebt dieser Sektor recht bedeutungslos irgendwo zwischen Handys und "echten" PCs. Doch ihre geringer werdende Größe bei ordentlicher Bedienbarkeit könnte die Geräte wichtiger machen. Genau diese Tragbarkeit ist es auch, die für das N810 spricht: Es ist nur etwas größer als ein Smartphone, passt aber dennoch in jede Tasche.

Software-Entwickler werden Web-Dienste für das Gerät mit Hilfe der Nokia-Plattform "Ovi" schaffen können, die bereits seit einiger Zeit verfügbar ist. Das bedeutet, dass die große Nokia-Programmierszene direkt auf das neue Gerät zugreifen kann.

General Manager Vanjoki glaubt, dass das wichtige Neuigkeiten für aufstrebende ortsbasierte Dienste und das so genannte "context-aware computing" sind, bei dem ein Rechner stets Buch führt, wo er sich befindet – dem vollwertigen GPS-Modul sei Dank. "Wir haben GPS integriert und eine schöne Programmierschnittstelle geschaffen, die es erlaubt, den Ort sofort einzubeziehen. Die Kombination aus Ortsinformationen mit diesem Gerät ist eine tolle Möglichkeit, die nächsten Schritte im Web zu denken."

Allerdings: Da WLAN in vielen Ländern bei weitem nicht flächendeckend verfügbar ist, funktioniert die Netzverbindung nur dann ständig, so lange ein Handy mit Bluetooth in der Tasche steckt. In der Konsequenz ist ein Gerät wie das N810 nur ein erster Schritt in Richtung echter ortsbasierter Dienste.

"GPS bringt viel für mobile Geräten – und es ermöglicht innovative, ortsbasierte Web-Dienste", sagt Phil McKinney, Vizepräsident und Chief Technology Officer für den Bereich persönliche Systeme bei Hewlett Packard. HP selbst arbeitet derzeit an ortsbasierten Spielen, bei denen die Nutzer mit GPS-fähigen Endgeräten verschiedene Aufgaben lösen müssen.

Die Zielgruppe des N810 sind junge Erwachsene – dementsprechend wurden die Kernanwendungen im Gegensatz zu anderen Tablet-Rechnern vor allem im Bereich Social Networking und Multimedia-Sharing ausgewählt. Vanjoki glaubt aber, dass solche Anwendungen die Bereiche sind, die der Markt bei einem ultraportablen Rechner haben will.

 
 

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