Gewaltätiger Mob hetzt gegen Roma in Bulgarien

Eine  wütende Menge stürmte in Katunitsa die Häuser eines Roma-Clans. Drei Gebäude und mehrere Luxusautos gingen in Flammen auf. Foto: afp
Eine wütende Menge stürmte in Katunitsa die Häuser eines Roma-Clans. Drei Gebäude und mehrere Luxusautos gingen in Flammen auf. Foto: afp
Foto: AFP
Schon lange brodelt in Bulgarien die Wut gegen Roma. Jetzt bricht sie sich mit Gewalt Bahn. In vielen Städten gingen randalierende Jugendliche mit Eisenstangen und Messern auf die Straße. Die Behörden reagieren zu zögerlich, beklagen die Roma.

Brüssel. Bulgarien galt lange als osteuropäisches Vorbild für das friedliche Zusammenleben verschiedener Volksgruppen. Die Zeiten sind vorbei: Nachdem vor einer Woche ein junger Mann von Roma überfahren wurde, brach sich die lang aufgestaute Ablehnung der Mehrheitsbevölkerung mit Gewalt Bahn. Doch Bulgarien ist kein Sonderfall. Vor allem in Osteuropa leben die Roma in erbärmlichen Bedingungen, Aufstieg und wirtschaftlicher Erfolg bleiben der Mehrheit von ihnen verwehrt.

Die aktuellen Unruhen nahmen ihren Ursprung am 23. September im Dörfchen Katunitsa, 160 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Sofia. Der 19-jährige Angel Petrov wurde von einem Kleinbus überfahren und starb noch am Unfallort. Im Wagen saßen Anhänger des örtlichen Roma-Bosses Kiril Raschkov, eines dubiosen Alkoholproduzenten Ende 60, der in der chaotischen Endphase des bulgarischen Kommunismus 1989 zu Geld und Vermögen kam. Nach einer Anhörung vor Gericht am gestrigen Freitag bleibt „König Kiro“, wie er auch genannt wird, vorerst hinter Gittern. Die Familie des Opfers behauptet, Raschkov habe ihr im Zusammenhang mit Landstreitigkeiten mit dem Tode gedroht.

Gebäude und Luxusautos gingen in Flammen auf

Direkt nach dem Tod Petrovs brach in Katunitsa die Hölle los. Die wütende Menge stürmte die Häuser des Raschkov-Clans. Drei Gebäude und mehrere Luxusautos gingen in Flammen auf. Seither kommt das Land nicht mehr zur Ruhe: In vierzehn Städten gingen Jugendliche mit Eisenstangen, Ketten und Messern auf die Straße. Die meisten von ihnen sind Fußball-Hooligans oder Anhänger der rechtsnationalistischen Partei Ataka. Die Minderheitsregierung des populistischen Premiers Bojko Borisov hält sich nur mit der parlamentarischen Unterstützung der Rechtsaußen-Partei Ataka im Amt.

Die bulgarischen Behörden hätten zu zögerlich reagiert, sagt Dezideriu Gergely, Vorsitzender der Organisation Roma Rights Centre in Budapest, die sich für eine Verbeserung der Situation der Roma einsetzt. Allerdings sei Bulgarien kein Einzelfall: „Überall in Europa scheitern Regierungen an der Integration.“ Er verweist auf ähnliche Proteste in Tschechien und Mordfälle in Ungarn. In Krisenzeiten sei es „extrem einfach, Minderheiten wie die Roma zum Sündenbock zu machen.“

 
 

EURE FAVORITEN