Geschichtsfreund, vierter Teil ist erschienen

Rees.. Das weiß sicher kaum ein Reeser: Zwischen 1876 und 1900 wanderten viele Bürger aus Millingen, Haffen, Rees, Haldern, Grietherbusch, aber auch Vehlingen und Wesel nach Urbastal aus, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Urbastal liegt in Bosnien bei Banja Luka. Gelesen hatten die Niederrheiner von der Möglichkeit der Auswanderung, die mit Steuererleichterungen und weiteren Vergünstigungen gefördert wurde, in christlichen Schriften. Die Anwerbung darin hatte der rheinische Trappistenmönch Pater Franz Pfanner in Auftrag gegeben, der in Banja Luka das Kloster Maria Stern gegründet hatte. Nachzulesen sind diese und andere Auswanderergeschichten von Bürgern aus Rees unter dem Titel „Von Rees in die neue Heimat“ im neuen „Reeser Geschichtsfreund“. Es ist die vierte Publikation in dieser Reihe.

Geschichte der Chöre und
Pumpengemeinschaften

Und erstmals über 70 Seiten stark. „Diesen Umfang wollen wir auch für die künftigen Ausgaben beibehalten“, teilte Vorstandsmitglied Helmut Heckmann mit. Geblieben ist der Preis: Das aktuelle Heftchen, das jede Menge Lesestoff bietet, kostet sechs Euro.

Klaus Kuhlen berichtet darin ausführlich über die Geschichte der Reeser Chöre, Hermann Venhofen hat sich des Themas „Die Reeser Pumpengemeinschaften“, angenommen. Beide haben ihre Recherchen bereits in Vorträgen vorgestellt, nun gibt es die Informationen auch schriftlich.

„Unser Anliegen ist, immer neue geschichtliche Episoden zu beleuchten, um dem Leser etwas zu bieten“, so Heckmann. Neben den bereits erwähnten Beiträgen geht es im neuen Geschichtsfreund auch um „Landstreicherei und Diebstahl“. An Datenschutz dachte noch keiner, als im Königlichen Anzeiger 1837/ 1839 Steckbriefe veröffentlicht wurden. So wird ein Diebstahl in Rees angezeigt, bei dem aus dem Garten der Witwe Kersten Fizebohnen, also Stangenbohnen, gestohlen wurden. Auf seinem Streifzug ließ der Schurke auch noch die Wäsche von Witwe Louwigie mitgehen, die neben dem Kersten-Grundstück ihre Bleiche hatte und dort unter anderem ihre wollenen Strümpfe und ihre weiße mousseline Jacke mit kattunenem Futter trocknete. Ein anderer Mann nutzte den Namen eines unbescholtenen Bürgers, des „Kaufmanns On-stein aus Anholt“, um sich in Rees mit Betrügereien durchs Leben zu schlagen.

Des weiteren erinnert der Geschichtsfreund an Dr. Friedrich Bird (1791-1851), einen Arzt und Heimatkundler, der die Reeser Geschichte erforschte. Eine seiner Publikation ist „Über die Bedeutung der Gegend des Niederrheins zur Zeit der römischen Herrschaft“ überschrieben. Nicht nur als Historiker machte Bird von sich reden, vor allem wegen seiner fortschrittlichen Ansichten im Fachgebiet Psychiatrie. Er war nämlich keineswegs der damals gängigen Meinung, man müsse diesen Menschen mit Strenge begegnen, sondern forderte deren Eingliederung in die Gesellschaft.

Den Geschichtsfreund gibt es im Bürgerservice, im Mu-seum und in der Bücherecke.

 
 

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