Gemeinde hofft, dass Rabbi bleibt

Foto: Henryk Brock

Unna. „Mit Erleichterung und Hoffnung sind die Neuigkeiten aus Bochum bei uns aufgenommen worden“, erzählt Alexandra Khariakova, Vorsitzende der jüdischen Stern-Gemeinde in Massen. Die Ruhrmetropole verfügte am Dienstag, dass die zum Monatsende drohende Ausweisung ihres Rabbis, Dr. Moshe Navon, für die Dauer des Eilverfahrens ausgesetzt – und die Familie so lange geduldet wird.

Wie berichtet, hatte die Stadt Bochum es nicht mehr für gegeben gesehen, dass der Israeli für den Lebensunterhalt seiner sechsköpfigen Familie sorgen kann, nachdem er den seelsorgerischen Auftrag für eine Gemeinde verloren hatte. Nicht beachtet wurde dabei die Wichtigkeit des Seelsorgers für die liberalen jüdischen Gemeinden in Unna und Oberhausen, die Dr. Navon nach wie vor betreut, ohne dass diese ihn angemessen bezahlen können.

Vor dem letzten Freitagsgebet hatten sich so viele auch nichtjüdische Freunde der Stern-Gemeinde vor der Synagoge an der Buderusstraße eingefunden, um ihre Solidarität zu bekunden. „Das hat uns und sicher auch Dr. Navon sehr gefreut“, sagt Alexandra Khariakova. Und diesen Freitag werde sicher auch der Rechtsstreit und die erwirkte kleine Entspannung Thema der Shabbes-Feier mit Dr. Navon sein.

Mit dem Bochumer-Entscheid erhalten die Navons und ihre vier schulpflichtigen Kinder auch ihre Pässe zurück, erklärte die Rechtsanwältin der Familie, Anette Kärger-Steinhoff. Damit sei es möglich, dass Frau Navon eine berufliche Tätigkeit aufnimmt, die die finanzielle Situation entspannen könne. Die Caritas hat hierzu bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Das von der Ausländerbehörde Bochum eingeleitete und bislang bundesweit beispiellose Verfahren hatte für ein breites Medienecho im In- und Ausland gesorgt. Das Verfahren wird am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen behandelt und könnte zum Präzedenzfall werden, da nicht nur über Dr. Navons ökonomischen Status, sondern auch über die gesellschaftspolitische Relevanz seiner Arbeit befunden werden muss.

 
 

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