Geliebtes Millionengrab – von Jens Dirksen

Zollverein war ein Moloch, für den keine Maßstäbe galten, weil er neue setzte – größte Zeche der Welt ihrer Zeit, effizient wie keine zuvor, und das bis ins Äußere, bis in die Bauhaus-Architektur ihrer Backsteinwände. Ein Moloch, auf ruhreigene Weise geliebt von den Tausenden, die dort arbeiteten, bis 1993 mit der Kokerei die letzten Schlote das Qualmen aufgaben.

Die Abermillionen, die seither auf dem Gelände im Essener Norden ausgegeben wurden, kann niemand mehr zuverlässig errechnen. Die Gebäude sollten ja nach dem absehbaren Ende der Zeche wieder abgerissen werde, da reichte ein einfaches Ziegelmauerwerk, das umso teurer wird, wenn man es für die Ewigkeit erhalten will.

Es ist aber auch viel Geld unnütz verpulvert worden auf Zollverein, nicht zuletzt für die unsinnigen Versuche, das Gelände als Design-Standort aufzuhotten. Oder für den schönen, neuen Würfel-Bau, in dem eine Privat-Hochschule pleiteging.

Aber es hilft nichts. Zollverein ist Weltkulturerbe. Und spätestens seit dem Kulturhauptstadt-Jahr, eine Ikone, immer noch und wieder neu geliebt, erst recht mit dem Ruhrmuseum darin. Zollverein ist die Pleitebank unter den Industriedenkmalen: zu groß, zu teuer, um fallen gelassen zu werden. Das wissen leider auch diejenigen, die für Zollverein immer neue Millionen fordern und ausgeben.

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