Geldstrafe für völlig überschuldete Frau

Unna.. Die Mutter von zwei kleinen Kindern ist hoch verschuldet, muss Monat für Monat 20 Euro an das Jugendamt zahlen, bis der Schuldenberg von knapp 5 000 Euro abgetragen ist. Erst dann kann sie Insolvenz anmelden, um ihren privaten Verpflichtungen von zusätzlich noch einmal 20 000 Euro nachkommen zu können.

Trotz dieser erdrückenden und wohl kaum zu stemmenden Last verurteilte Strafrichterin Sylvia Block die bislang unbescholtene Frau aus Unna im Namen des Volkes zu einer Geldstrafe.

Mutter bekommt
kein Hartz IV

Allein die monatliche Zinslast auf ihre Schulden ist ungleich höher als der Betrag, den die junge Frau überhaupt abzahlen kann. Sie bekommt kein Hartz IV, nur Taschen- und Bekleidungsgeld für sich und ihren vierjährigen Sohn. Aktuell kämpft sie um das Sorgerecht für ihren Sechsjährigen, der noch in Pflege lebt.

Dann jener Moment im Juni dieses Jahres, den sie „zutiefst bereut“: „Ich weiß nicht, warum ich das getan habe, es tut mir so leid.“ Auf der Straße findet die völlig überschuldete Frau eine fremde Kontokarte, die sie in der Sparkasse Unna nicht abgibt, sondern für eine Überweisung von 300 Euro auf ihr Privatkonto missbraucht. Zum Transfer kommt es allerdings nicht, weil das fremde Konto keine entsprechende Deckung hat. Aber: Es bleibt bei einem „versuchten Betrug“ und dem Vorwurf der Urkundenfälschung.

„Ja, sie ist reuig und einsichtig“, stellt Strafrichterin Block fest, attestiert der Angeklagten aber auch eine „gesteigerte kriminelle Energie“. Schlimmer jedenfalls als Ladendiebstahl, sagt sie. Was sie deshalb auch mit „20 Tagessätzen á 5 Euro“ bestrafte, also genau so viel wie fünf Monatsraten auf den 5 000-Euro-Schuldenberg beim Jugendamt, den sie (bei gleich bleibenden Raten) noch 20 Jahre abstottern wird.

Bangen um Sorgerecht für den Sohn

Der Anwalt der später bitterlich weinenden Angeklagten hatte auf eine Verwarnung plädiert, hätte sich auch Sozialstunden als Strafe vorstellen können, denn schließlich sei kein Schaden entstanden, sagt er. Und: Diese Vorstrafe mindere nun die Chancen der bislang unbescholtenen jungen Mutter, auch das Sorgerecht für ihren anderen Sohn zu bekommen.

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