Gelähmte Linke – von Christian Kerl

Mehr Pflege, weniger Politik: Linke-Chefin Lötzsch hat für ihren Rücktritt ebenso private wie respektable Gründe genannt. Es wird ihre Entscheidung aber nicht erschwert haben, dass die Vorsitzende damit auch einen Ausweg aus politisch aussichtsloser Lage fand: Lötzsch hatte ihre erneute Kandidatur als Vorsitzende angemeldet, sich aber verkalkuliert – ihr drohte eine Abfuhr. Nur aus Rücksicht auf die bevorstehenden Landtagswahlen wurde die Führungsdebatte vertagt. Das hat Lötzsch nun vermasselt. Ihr Rücktritt gibt den Blick frei auf eine verfahrene Lage einer zerstrittenen, gelähmten Partei, in der sich nur eines abzeichnet: Der Einfluss von Oskar Lafontaine, in welcher Rolle auch immer, wird steigen – womit sich die Linke Koalitionsoptionen verbaut.

Dass Lafontaine Parteichef wird, ist unwahrscheinlich. Viel spricht für ein Team aus Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Könnte sich die Linke darauf einigen, machten beide mit, fände die Führungskrise ein halbwegs gutes Ende. Aber Machtkämpfe und ein komplizierter Proporz dürften eher dazu führen, dass die Personalfrage die Linke jetzt mehr beschäftigt als alles andere – ausgerechnet vor Wahlen, in denen der Rauswurf aus zwei Landtagen droht.

 
 

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