Gegen Moscheen in NRW formiert sich Widerstand

Rusen Tayfur
Die Fatih-Moschee in Essen-Katernberg.                                                                                                  Foto: Frank Vinken
Die Fatih-Moschee in Essen-Katernberg. Foto: Frank Vinken
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Muslime in NRW wollen „nicht mehr im Keller beten“. Aber ihre neuen Gotteshäuser stören manchen Nachbarn. Vor Ort formiert sich zum Teil breiter Widerstand. Juristischen Überprüfungen hält der Protest selten stand.

Essen. Kuppel und Minarett statt schmuckloser Zweckräume: Das neue Selbstbewusstsein vieler muslimischer Gemeinden verändert nicht nur das Erscheinungsbild der Städte, es schafft auch Arbeit für die Justiz. Immer wieder ziehen Anwohner gegen den Bau neuer Moscheen vor Gericht. Gerade wurde in Iserlohn eine Klage abgewiesen, auch in Menden blieben Moscheebau-Gegner ohne Erfolg. In Hamm wird protestiert, juristische Schritte nicht ausgeschlossen.

Beispiel Menden: Bisher hatte es hier keine Probleme gegeben mit der schiitischen Gemeinde. Waren die muslimischen Gläubigen doch kaum aufgefallen; zu Gebeten und Feiern trafen sie sich hinter den dicken Mauern einer ehemaligen Fabrikhalle. Doch seit bekannt wurde, dass die Schiiten eine Moschee bauen wollen, gibt es Ärger. Zwei Anwohner reichten Klage ein, stellvertretend für eine Handvoll anderer. Gegen ein muslimisches Gotteshaus hätten sie nichts, betonten sie, störend seien nur die Ausmaße.

Zu voll, zu laut, zu wenig Parkplätze – Befürchtungen, die laut werden, wo man Moscheen baut. Die Mendener konnten keinen Baustopp erwirken. Das Gericht entschied: Die Lage ist für einen Moscheebau geeignet. Bei der Stadt freut man sich, dass es bei dieser einen Klage geblieben ist. „Dies ist eine katholisch-konservative Stadt“, so eine Sprecherin: „Man hätte gemeint, dass hier was losgetreten würde.“

„Wir leben hier, wir zahlen hier Steuern“

Isa Günes von der Ehl-i-Beyt Nida Kulturgemeinde versteht die Ängste seiner Nachbarn nicht. Für die Gemeinde, der fünfzig Familien angehören, seien ausreichend Parkplätze auf dem eigenen Grundstück vorhanden, Zulauf aus anderen Städten sei nicht zu erwarten. Die Klagen der Nachbarn, sagt Günes, „haben uns sehr traurig gemacht“. Nach sechs Sitzungen mit dem Bürgermeister, nach der Aufforderung an die Anwohner, sich an den Plänen zu beteiligen, nach dem Zugeständnis, die Minarette zwei Meter weniger hoch zu bauen. „Wir leben hier, wir zahlen hier Steuern“, sagt Günes zu der neuen Sichtbarkeit seines Glaubens. „Wir wollen nicht mehr in Kellergeschossen beten.“

Gelungene Integration oder Drohgebärde?

Während manche Politiker es als Zeichen gelungener Integration verstehen, wenn Muslime in Deutschland Moscheen bauen, so ist es für andere eine bloße Drohgebärde. Vor allem für jene, die vorhandene Ängste für ihre Propaganda benutzen.

Die Anti-Moschee-Auftritte der Rechtspopulisten von „Pro NRW“ sind allseits bekannt. In Menden flatterten plötzlich NPD-Flyer in die Briefkästen im Viertel. In Bochum versuchte die örtliche NPD Unruhe zu stiften, weil die Merkez-Cami in der Innenstadt ein Minarett erhält. Und in Hamm warnt die „Nationale und Sozialistische Kameradschaft“ vor einer „fortschreitenden Islamisierung“, weil in Herringen eine Moschee geplant ist.

Beispiel Hamm-Herringen: Zunächst war es ruhig geblieben, als die Pläne der Ditib-Gemeinde bekannt wurden, Hamms größte Moschee zu bauen: fünf Kuppeln und zwei Minarette auf 1000 Quadratmetern Grundfläche. Eine erste Bürgerversammlung verlief jedoch tumultartig. 250 Menschen waren gekommen, um sich zu informieren – und lautstark zu protestieren.

Heinz-Martin Muhle, Leiter des Stadtplanungsamtes, bleibt gelassen: „Bauordnungsrechtlich geht alles seinen gewohnten Gang.“ Ende des Jahres, wenn die Pläne stehen, sollen die Bürger Einsicht erhalten. Bis dahin suche man das Gespräch mit allen Beteiligten. Trotz Mehrheit im Rat seien Klagen der Bürger jedoch denkbar. Muhle: „Den Hindu-Tempel in der Stadt empfinden viele als Bereicherung, bei Moscheen ist die Akzeptanz noch nicht da.“

Beispiel Iserlohn: Die Ahmadiyya Muslim-Glaubensgemeinschaft darf ihre Moschee bauen, mit zwei je 57 Quadratmeter großen Gebetshallen und Minarett. Das Verwaltungsgericht Arnsberg hat die Klage eines Nachbarn abgewiesen, der Einschränkungen für seinen Betrieb fürchtete.

Pfarrer Peter Wevelsiep saß mit am Runden Tisch, der vermitteln sollte. Die große Ablehnung überraschte ihn. Die Gegner sind für ihn „Trittbrettfahrer“. Leute, die in der Masse mitschwimmen, in der die Bedrohung des Abendlandes durch den Bau von Moscheen prophezeit werde. Der einzige Weg aus der Angst voreinander, sagt Wevelsiep, sei Kontakt. „Das muss man auch als Theologe erstmal lernen.“

Das gute Klima: „Es ist kaputt“

Auch Ercan Atay saß in Iserlohn am Runden Tisch, sechs Monate lang. „Es war einen Versuch wert“, sagt der Vorsitzende des Integrationsrates. Er klingt ernüchtert. Dass die Klage gegen die Moschee abgewiesen wurde, scheint ihn nicht zu freuen. Das gute Klima, das herrschte zwischen Migranten und Aufnahmegesellschaft, sagt er, „ ist kaputt“.