Gas aus Flözen wird zum Energieträger

Klaus-Peter Wolter

Kamen. Grubengas, erinnert Heinrich Kissing, sei über viele Jahre in der Region als Gefahrenbringer gesehen worden. Jetzt erst werde neues Energiepotenzial erkannt, das im Untergrund im Ruhrgebiet und unter Kamen und Bönen stecke.

Methan aus den
Kohlelagerstätten

Denn nichts anderes als Grubengas ist eigentlich auch jenes „Erdgas“, das nun gesucht und gefördert werden soll. CH4 lautet die chemische Formel, auch Methangas kann man dazu sagen, erläutert Kissing im Gespräch mit unserer Redaktion. Der CDU-Fraktionsvorsitzende ist nicht nur als Beteiligter des HammGas-Projektes vom Fach. Er war viele Jahre lang Bergbaubeschäftigter und berät heute als Experte in geologischen Fragen.

Im Grunde gehe es um Gas aus Mikroporen der Kohle. Das Gas hafte der Kohle an. Sobald Fließwege geschaffen werden, könne man dieses Gas nutzen. Das Vorkommen stehe anders als andere Gasvorkommen nicht unter Druck. Mit Unterdruck könne es gefördert werden, erläutert Kissing. In Frage kämen sowohl Kohlelagerstätten, die noch unberührt seien, als auch Gebiete, in denen bereits Kohle gefördert worden ist.

Im Kamener Fall seien 40 Prozent des Stadtgebietes bergbaulich erschlossen. Die benötigten Fließwege gebe es hier. Sie müssten nicht künstlich durch das Einpressen von Flüssigkeitsgemisch erzeugt werden, ist Kissing überzeugt.

Gebohrt werden aber muss nicht nur zur Erkundung des Untergrundes, sondern auch zur Gewinnung des Gases.

Sauberes Handwerk
und viele Regeln

Kissing ist sich bewusst, dass gerade nach dem Wasserkurler Erdfall solche Bohrungen im Stadtgebiet Sorgen wecken könnten. Grund zu solcher Sorge aber sieht er nicht. „Das ist eine Frage sauberen handwerklichen Arbeitens“, betont er. Es gebe über 300 regelnde Gesetze, Verordnungen oder Normen.

Heinrich Kissing selbst ist jüngst mit Familie umgezogen innerhalb des Stadtgebietes von Methler nach Kamen-Mitte. Damit wohnt er selbst auch am Rand des Feldes, dessen Erkundung er mit HammGas vorantreibt.