Ganz nah dran - Vinu berichtet aus Bombay

Bombay/Essen. Als die Menschen in Bombay sich in Sicherheit brachten, ging er auf die Straße: Vinukumar Ranganathan griff zur Kamera und dokumentierte das Geschehen an den Orten der schweren Anschläge. Im Gespräch mit DerWesten erzählt er, wie er die Stunden des Terrors erlebte.

Vinukumar Ranganathan ist über Nacht zur gefragten Medienpersönlichkeit geworden, zu „unserem Mann in Bombay“ für CNN oder den kanadischen Sender CBC. Als „Vinu“ berichtet der Mann mit dem langen Namen beim Microblog Twitter ständig über das, was er hört und sieht, auf Flickr stellt er Fotos zur Verfügung und liefert damit der Welt genau das, was sie an diesem Tag will.

Mit der Kamera durch die Straßen

„Es ist sehr still. Ich weiß nicht, was passiert“, teilt er mit. „Es kommt Rauch aus dem Turm des Taj Mahal.“ Das ist das Luxushotel, das erst von islamistischen Terroristen gestürmt und dann von der Polizei geräumt worden war. „Vor einer Stunde sind hier noch Bomben und Granaten detoniert“, die indische Marine kreise mit Helikoptern über dem Hotel und sei nun im Gebäude.

In der vergangenen Nacht ist er mit der Kamera durch die Straßen der indischen Metropole gezogen. Gefahr für ihn habe nicht bestanden, glaubt er, auch seine Freunde seien alle in Sicherheit. Die Terroristen selbst hat er nicht zu Gesicht bekommen, sagt Vinu, ein „Gefühl allgemeiner Gefahr“ bestehe aber schon. In anderen Bereichen der 13-Millionen-Stadt gingen die Leute ganz normal zur Arbeit, der Technologie-Experte bleibt heute dennoch zuhause: „Die Polizei hat eine Ausgangssperre über die Gegend verhängt“, erzählt er. Geschossen werde eigentlich nur innerhalb oder in unmittelbarer Nähe der drei umkämpften Gebäude. Unruhen auf den Straßen gebe es nicht.

Mit neuen Anschlägen gerechnet

Ob er angesichts der Anschläge der letzten Jahre mit den Ereignissen dieser Tage gerechnet habe? „Dass wieder etwas geschieht, ja.“ Dass es jetzt passiert und auf diese Weise, nein. Er sagt, was auch die Analysten feststellen: „Dahinter steckt eine politische Motivation.“ „Die Art des Angriffs ist sehr ungewöhnlich. Das ist eine Miliz-Attacke, mit Mann-zu-Mann-Kämpfen und Geiselnahmen. So etwas kommt eher in Kashmir vor.“

Wenn Vinu nicht gerade aus dem Fenster schaut, informiert er sich im Fernsehen oder im Internet über die Vorgänge vor seiner Haustür. Vorwürfe, dass die Twitterer aus Bombay den Terroristen nützliche Informationen besorgen könnten und so die Arbeit der Sicherheitskräfte behindern, weist er zurück: „Die Fakten kann man auch alle aus den Nachrichten erfahren“.

Beitragen zum großen Bild

Seine Motivation, zum Reporter über Nacht zu werden, erklärt er so: „Ich mache gerne Fotos. Ich blogge gern, ich kommuniziere gern mit anderen.“ Er will „ein aktiverer Bürger“ sein, wichtige Fakten liefern, Versatzstücke zu dem, was dann ein akkurates Bild der Lage ergeben soll. „Ich will auf jeden Fall dazu beitragen“, sagt Vinu.

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