Ganz in schwarz

Wilfried Schmickler in der Aula des AFG in Halver
Wilfried Schmickler in der Aula des AFG in Halver
Foto: Marion Gerdel

Halver.. Der Mann kommt in schwarz. Wie es sich für einen Scharfrichter geziemt. Diesen Titel hat Wilfried Schmickler weg, seit er den begehrten Prix Pantheon gewonnen hat. Und die Halveraner konnten sich am Donnerstagabend in der AFG-Aula überzeugen, wie scharf sein Satireschwert ist.

Erst plaudert er ganz harmlos, erzählt, dass er sich aufrichtig freue, erstmals in der Weltkulturmetropole Halver zu sein. Dann legt er los, nennt die „Gorch Fuck“ den „größten schwimmenden Puff der Kriegsmarine“, titelt zu Guttenberg als Trickbetrüger und geißelt den „Geistesgiganten Thilo Sarrazin“. Behalte der Recht, sieht Schmickler das „Kalifat Dütschlüt“ heraufziehen.

Nein, die Welt wird er nicht verändern können. Das weiß der 56-jährige gebürtige Leverkusener. Aber sie so hinnehmen wie sie ist, das will er auch nicht. Und so geht er mit Politikern hart ins Gericht, man glaubt ihm seinen Zorn, wenn er sie sprachakrobatisch seziert. Die gute Mutti, die allein im Kanzleramt sitzt und dumme Sprechblasen absondert („Weil der blöde Regenwald nicht schnell genug nachwächst, präsentiert sie uns bestimmt ein Regenwaldnachwachstums-Beschleunigungsgesetz“), die „ahnungslose Trutsche“ Schröder und den ebenfalls „ahnungslosen Bembel Brüderle“ („Ich weiß gar nicht was die Leute gegen den haben, der tut doch nichts, der will nur reden“). Oder Renate Künast: „Der steht die Lebenslust so richtig ins Gesicht geschrieben.“ Oder Philipp Mißfelder und Dirk Niebel aus dem „Regal der Einwegflaschen“.

Es sind die Retorten-Politiker aus den Versuchslaboren der Parteien, die den Kabarettisten aufregen. Guttenberg sei ein besonders gelungenes Exemplar. Dass die Jugend gerade in ihm ein modisches Vorbild sieht, das macht den Wortgewaltigen fast sprachlos.

Einfühlsame Lyrik nur beim Live-Auftritt

Die Sozialdemokraten behandelt Schmickler mit Milde. Ihr Zustand dauert ihn. In einem „traurigen Lied“ beschreibt er den Zustand der Partei in Gestalt eines einsamen Ortsvereins-Aktivisten: „Keiner kommt rein und wenn einer reinkommt, will er raus.“ Überhaupt die Lieder, die Wilfried Schmickler immer wieder einstreut in sein aktuelles Programm „Weiter“: In ihnen überrascht der „Scharfrichter“ mit erstaunlicher Lyrik, einfühlsam, mitunter leise. So erlebt man ihn nur live, nicht im TV.

Den Politik-Rundumschlag allein macht sein Programm nicht aus. Der Klerus bekommt sein Fett ab und die Industriebosse. „Die Sklaven füttern ihre Herren“, verzweifelt Schmickler an der Gesellschaft. Die Fernseh-Köche lässt er mit Freilauf-Forellen lächerlich aussehen. Und da der Vitamin-C-Gehalt bei Salatgurken und Chicoree gen Null tendiere, seien zwei, drei kleingeschnittene Kochbuchseiten mit Essig und Öl besser zum Verzehr geeignet. Schmickler kann nicht nur bissig, böse oder pointiert, sondern auch brüllend komisch sein.

Aber nicht nur Politik-Clowns oder gesellschaftliche Missstände bringen Schmickler aus der Fassung. Zweimal an diesem Abend waren es auch Besucher. Gerade bei einer der sensibelsten Passagen des Programms, als der Altmeister Neid und Habgier als die Triebfedern des Wachstums anprangerte, schepperte laut eine Getränkeflasche durch den Saal. Der Kabarettist unterbrach, war irritiert. „Nun haltet doch mal eure Flaschen fest“, bat er leicht genervt.

Die Bitte wiederholt er bei der Zugabe, die ihm höchste Konzentration abverlangte: eine schnellzüngige Wortkaskade zum Thema Integration. Ein glänzender Schlusspunkt eines beeindruckenden Kabarettabends.

Und den Flaschenwerfern sei geraten: die Glasbehälter einfach nicht mit in den Saal nehmen. Der Rest des Publikums und die Künstler werden’s danken.

 
 

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