Gaby Köster will sich nicht mehr verstecken

Essen. Gaby Köster ist zurück. Nach ihrem schweren Schlaganfall berichtete sie erstmals in Stern TV über ihre Lähmung und ihre verlorene Freiheit. Dreadlocks und freche Sprüche können allerdings nicht ihre Verletzlichkeit überspielen.

Wilde Rastafrisur mit bunten Strähnen, Piercing in der Nase, zig flippige Halsketten: Gaby Köster ist zurück auf dem Bildschirm. Aber doch ist nichts, wie es einmal war. Nach einem schweren Schlaganfall ist die Kabarettistin links halbseitig gelähmt. In Stern TV berichtete sie am Mittwochabend erstmals, wie es ihr in den letzten dreieinhalb Jahren ergangen ist.

Mit stehenden Ovationen wurde sie vom Publikum empfangen, als Steffen Hallaschka sie langsam zum Platz begleitet. Doch Gaby Köster nimmt der Situation mit ihrer kölschen Kodderschnauze prompt die Dramatik: „Setzt euch. Ich hab nicht besonderes geleistet, ich war nur krank.“

Im Januar 2008 war sie in der Gästetoilette ihres Hauses gestürzt: Schlaganfall. Durch ein Hirnödem, eine große Schwellung, bestand „absolute Lebensgefahr“, berichtet ihr Arzt. Der Schädel wurde geöffnet, die damals 46-Jährige für Wochen ins künstliche Koma versetzt. Ein Sprachverlust, unter dem viele Schlaganfallpatienten leiden, blieb ihr komplett erspart. Doch die linke Seite ist seither gelähmt, Gehen ist nur mit Hilfe möglich und „der Arm ist noch am schlafen“, erklärt Gaby Köster im Studio. „Ich hoffe, dass er noch wiederkommt.“

Gaby Köster: „Was weg ist, macht Platz für was Neues“

Der Anfall kam nicht aus völlig heiterem Himmel. Der Arm war in den Wochen zuvor immer mal lahm, berichtet die Kölnerin. Fühlte sich komisch an. Doch Gaby Köster machte weiter wie gewohnt: „Ich konnte ja schlecht sagen, ich fahr heute mal nicht zum Auftritt, nur weil mir der Arm wehtut.“

Seitdem hat sich das Leben der vielfach ausgezeichneten Komikerin komplett verändert: Jahre lang war sie ständig unterwegs, nun „muss ich überlegen, wenn ich wo hin will, wer Zeit hat und wer mit kann – das ist zum Kotzen.“ Sie raucht noch immer, „weil das etwas ist, was ich alleine mache kann“. Sie erzählt, dass sie im Koma ihren verstorbenen Vater getroffen hat, und ihm gesagt hat „tut mir leid, Papa, ich muss wieder weg“. Sie gibt zu, dass sie anfangs weinen musste, wenn sie sich im Fernsehen sah. Weinen über ihre verlorene Freiheit. Doch inzwischen sagt sie: „Was weg ist, macht Platz für was Neues.“

Doch auch wenn sie jede noch so ernste Frage mit einer Pointe kontert – „da kann ich nix für, das ist genetisch“ – die wilden Dreadlocks und die Schminke können nicht über die tiefen Falten im Gesicht hinweg täuschen. Das Gesicht zeigt fast noch mehr als Arm und Bein, was sie durchgemacht hat. Und auch die Unsicherheit und Verletzlichkeit kann sie auch mit ihrer lockeren-frechen Art nicht überspielen.

Sie hat ein Buch geschrieben über ihre Krankheit: „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“. Sie will mit den Gerüchten aufräumen, sich nicht mehr verstecken müssen. Was sie sonst noch will, das weiß sie noch nicht: „Ich weiß nur, das alte kann ich nicht mehr machen. Aber was neues – keine Ahnung. Für’n Rentner bin ich ja nun noch wat jung.“

 
 

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