Gabriel nennt Sarrazins Sprüche dämlich

DerWesten
Thilo Sarrazin (SPD), Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und ehemaliger Finanzsenator Berlins.
Thilo Sarrazin (SPD), Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und ehemaliger Finanzsenator Berlins.
Foto: ddp

Berlin. Erst teilte Bundesbanker Thilo Sarrazin mal wieder gegen Migranten aus, jetzt muss er heftige Attacken einstecken. Die Ausländerbeauftragte spricht von pauschaler Polemik. SPD-Chef Gabriel weist seinen Parteikollegen in die Schranken.

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wird wegen neuerlicher kritischer Anmerkungen über Migranten heftig attackiert.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, Sarrazins Sprüche seien zum Teil „dämlich“ und die Sprache mitunter „gewalttätig“. Gabriel kündigte während seiner Sommerreise durch Rheinland-Pfalz an, er werde prüfen, ob Sarrazin mit seinen Äußerungen bestimmten Bevölkerungsgruppen bestimmte Charakterzüge zuweise. Dies wäre dann „rassistisch“. Zu weiteren Konsequenzen gegen den Parteifreund äußerte sich Gabriel allerdings nicht.

Gabriel sagte zugleich, er wolle „aber auch die intellektuelle Auseinandersetzung“ mit dem jetzigen Bundesbank-Vorstand Sarrazin. Neben vielen inakzeptablen Äußerungen spreche Sarrazin auch Dinge an, über die man ernsthaft nachdenken müsse.

Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), warf dem jetzigen Bundesbanker „pauschale Polemik gegen muslimische Migranten“ vor, die „diffamierend und verletzend“ sei. Sarrazin wirft Migranten vor, sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren zu wollen und mehr Kosten zu verursachen, als Nutzen zu bringen.

Böhmer sagte, Sarrazins Behauptungen seien wissenschaftlich nicht haltbar. So gebe es keine Studien, die eine grundsätzliche mangelnde Integrationsbereitschaft der Muslime in Deutschland belegten. Auch blende Sarrazin positive Entwicklungen komplett aus. So hätten seit 2005 mehr als 600 000 Migranten an Integrationskursen teilgenommen, um Deutsch zu lernen.

Böhmer wirft Sarrazin Versagen vor

Zudem habe eine Studie gezeigt, dass bei gleicher Leistung und ähnlichem sozialen Hintergrund türkische Kinder häufiger auf die Realschule oder das Gymnasium wechselten als deutsche Kinder. Das zeige den hohen Bildungsanspruch dieser türkischen Familien. Böhmer betonte, Sarrazin hätte als Berliner Finanzsenator die wichtige Aufgabe gehabt, Schulen mit einem hohen Migrantenanteil speziell zu fördern. „Das Versagen ist offensichtlich.“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, warf Sarrazin gar „Hasstiraden“ vor. Beck sagte: „Wem auf gesellschaftliche Herausforderungen in einer multikulturellen Demokratie nur Beschimpfungen der ohnehin schon Benachteiligten einfallen, hat nicht verstanden, dass Integration ein wechselseitiger Prozess ist.“

Sarrazin, der ein Buch zum Thema Integration veröffentlicht, sagte am Dienstag im Deutschlandradio Kultur, man dürfe nicht zulassen, dass 40 Prozent der muslimischen Migranten von Transferleistungen lebten und ihnen jede Form von Integration „erspart“ werde. Er fügte hinzu: „Für die Gesamtheit der muslimischen Einwanderung in Deutschland gilt die statistische Wahrheit: In der Summe haben sie uns sozial und auch finanziell wesentlich mehr gekostet, als sie uns wirtschaftlich gebracht haben.“ Sarrazin sagte weiter: „Die unqualifizierte Migration, die wir gegenwärtig haben, und die Migration des ungebildeten, unqualifizierten Familiennachzugs, das kann in dieser Form nicht weitergehen.“ (ddp)