Funde in Kiesbert einmalig

Ein Trilobit, der bei Kiesbert entdeckt wurde.
Ein Trilobit, der bei Kiesbert entdeckt wurde.
Foto: Lutz Koch

Herscheid.. Es müssen nicht immer große Dinge sein, die Aufsehen erregen. Vor allen wenn es um die geologisch-paläontologische Forschung geht, sind es oft nur kleine Steinchen oder Schieferstückchen, die uns in das Geschichtsbuch unserer Erde blicken lassen.

So haben Grabungen, die von Lutz Koch aus Ennepetal und Ulrich Lemke aus Wetter oder auch 2010 die Grabungen des Amtes für Bodendenkmalpflege oberhalb von Kiesbert wiederholt aufhorchen lassen. Es ist kein großer Steinbruch, der reichlich Gesteinsmaterial liefert und einen Blick in das Erdinnere gestattet, sondern es handelt sich nur um einen bewachsenen Hang mit kleinsten Gesteinsaufschlüssen, die weitgehend unbeachtet bleiben. Und selbst die Funde, die die Paläontologen hier zu Tage fördern, sind recht unspektakulär. Sie sind nicht einmal einen Zentimeter groß und stellen deshalb kein Dorado für Fossiliensammler dar.

Aus dem frühen Zeitalter der Erde

Das Ziel der Grabungen war in erster Linie das Auffinden von Trilobiten aus dem Ordovizium, dem frühen Zeitalter der Erde. Diese Funde im Ebbegebirge zwischen Herscheid und Plettenberg zählen zu den ältesten und sind daher einmalig in Deutschland. Die Trilobiten, auch Dreilapper genannt, lebten vor 465 Millionen Jahren. Sie sind gekennzeichnet durch eine deutliche Dreiteilung in Kopf-, Rumpf- und Schwanzschild. Mit den Insekten und Krebstieren gehören sie zu den Gliederfüßern.

In jüngster Zeit gelang es Lutz Koch Ostrakoden, eine weitere Gruppe von Gliederfüßern bei Kiesbert nachzuweisen. Es handelt sich dabei um ca. ein Millimeter große Muschelkrebse. Winzig kleine Krebse, die zum Schutz von zwei muschelartigen Klappen umgeben sind. Wegen ihrer geringen Größe und besonderen Seltenheit werden die „Winzlinge“ leicht übersehen.

Ostrakoden in Schichten des Ordoviziums sind in Deutschland bisher nur in Thüringen und bei Kiesbert entdeckt worden. Wegen der Seltenheit setzte sich Lutz Koch mit dem Ostrakoden-Spezialisten Dr. Roger Schallreuter von der Universität Greifswald in Verbindung. Er hat die seltenen Stücke im Labor bearbeitet, unter einem Elektronenmikroskop analysiert und fotografiert. Die Bilder zeigen die meisten Stücke in „Schmetterlingsposition“, das bedeutet, beide Klappen hängen noch zusammen und sind nicht „verdriftet“, das heißt in unruhigem Gewässer nicht weggespült worden. Solche Funde sind sehr selten und zeigen die Besonderheit der Kiesbert-Ostrakoden. In der wissenschaftlichen Zeitschrift „Geologie und Paläontologie (Heft 80) haben Schallreuter und Koch 2011 über „Ostrakoden aus dem Ordovizium des Ebbesattels berichtet.

 
 

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