Für MSV-Manager Hübner ist Aufstieg kein Thema

Ralf Birkhan
MSV-Sportdirektor Bruno Hübner
MSV-Sportdirektor Bruno Hübner
Foto: Bongarts/Getty Images

Duisburg. Vor dem Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen spricht Manager Bruno Hübner vom MSV Duisburg über die Duisburger Ziele und das Glück auf dem Transfermarkt.

28 Grad, blauer Himmel. „Es gibt Schlimmeres“, sagt Bruno Hübner. Der Manager des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburger sucht in der Türkei ein Hotel fürs Wintertrainingslager. Freitag, zum Derby gegen Rot-Weiß Oberhausen, sitzt er aber wieder in der Duisburger Arena.

Wer gewinnt das Derby?

Bruno Hübner: Ich weiß, dass für unsere Fans vier Spiele in dieser Saison besonders wichtig sind. Die beiden gegen Fortuna Düsseldorf und die beiden gegen Rot-Weiß Oberhausen. Ich kann natürlich keinen Sieg versprechen. Aber ich verspreche, dass die Mannschaft alles dafür geben wird.

Der MSV hat nach sechs Spieltagen schon vier Siege auf dem Konto, aber Trainer Milan Sasic sagt: Aufstieg ist kein Thema. Hat er Recht?

Hübner: Damit hat er Recht. Die Mannschaft steckt im Umbruch, und wir sind im finanziellen Bereich weit von den Top-Klubs entfernt. Bei Hertha BSC verdienen allein die Stürmer Ramos und Raffael fast soviel wie unsere gesamte Mannschaft.

Ist Geld denn immer alles? Mainz ist mit einem Mini-Gehaltsetat von rund 15 Millionen zum Beispiel Spitzenreiter der ersten Liga.

Hübner: In Mainz ist die Situation eine andere. Die Mainzer haben den Umbruch hinter sich. Sie haben im vergangenen Jahr ein Fundament gelegt und bauen darauf nun im Folgejahr auf. So soll es bei uns im nächsten Jahr auch sein.

Aber es gab diesen Schritt beim MSV doch schon. Nur mussten Sie Spieler wie Cedrick Makiadi, Sandro Wagner oder Dorge Kouemaha verkaufen. Warum sollte es diesmal klappen?

Es begann in Lautern

Hübner: Es stimmt, wir waren schon weiter als im Moment, doch wir mussten die Spieler aus finanziellen Gründen abgeben. Das ist sehr ärgerlich. Da haben wir monatelang gescoutet, verhandelt und ein gutes Team zusammen gebaut, und dann bricht alles wieder zusammen.

Machen Sie denn alles richtig? Nehmen wir das Scouting-System. Bei Bayern München oder Leverkusen gibt es ganze Abteilungen dafür, beim MSV wirkt dieser Bereich übersichtlich.

Hübner: Auch das stimmt. Wir haben mit Dieter Mertens einen ausgezeichneten Spieler-Beobachter, können uns dazu aber nur drei weitere Leute auf 400 Euro-Basis leisten. Damit sind wir natürlich nicht in der Lage, das zu leisten, was die großen Klubs mit acht oder neun Hauptamtlichen leisten.

Sie haben mit Makiadi, Caiuby, Reiche und Yilmaz zuletzt vier Spieler aus Wolfsburg geholt. Haben Sie einen besonderen Draht zum VfL?

Hübner: Das hat mit meinen Kontakten im Fußball zu tun. Ich kenne Trainer Armin Veh sehr gut, und der hat mir einige Tipps gegeben. Da wir nicht mit Geld um uns werfen können, müssen wir akribischer arbeiten und überzeugender sein als andere, wie zum Beispiel bei Julian Koch, den wir vom BVB geholt haben.

Wie haben Sie den überzeugt, wenn nicht mit Geld?

Hübner: Nun, er hatte auch ein Angebot vom FC Augsburg. Wir haben ihm gesagt, komm’ lieber zu uns, denn wir haben einen kleinen Kader und setzen auf junge Spieler. Bei uns ist die Chance sehr groß, dass du viele Spiele machen wirst. Augsburg will aufsteigen, hat einen großen Kader und es ist die Frage, ob du dort gegen die etablierten Profis eine Chance kriegen wirst. Deshalb kam Julian Koch zu uns.

Er ist sofort Stammspieler geworden, auch die anderen Neueinkäufe haben überzeugt. Glück?

Hübner: Neben einer Menge Arbeit gehört natürlich auch Glück dazu. Wir haben viele Volltreffer bei den Transfers gelandet, und daher mit Sicherheit auch Glück gehabt. Man darf das Glück im Leben aber nicht überstrapazieren. Deshalb müssen wir daran arbeiten, den Etat für die kommende Saison um zwei oder drei Millionen zu erhöhen, damit wir gute Spieler auch halten und den Schritt Richtung Aufstieg machen können.

Keine Angst vor einem Absturz?

Hübner: Ich bin ein optimistischer Mensch, aber der Blick zu Fortuna Düsseldorf zeigt, wie schnell es gehen kann. Du verkaufst zwei Leistungsträger, und zack, stehst du plötzlich wieder unten drin.

MSV-Trainer Sasic steckt in der Klischee-Schublade der autoritären Trainer. Passt er noch in eine Zeit, in der ein Trainer-Typus wie Thomas Tuchel in Mainz als Erfolgsmodell dient?

Hübner: Manche sagen, dass Milan Sasic einen Admiralston hat. Aber er verlangt von den Spielern nur, dass sie akribisch arbeiten und immer an ihre Leistungsgrenze gehen sollen. Das ist legitim, und daher passt er gut zum Verein.

Sie selbst stehen als Manager selten in den Schlagzeilen. Zufall oder Absicht?

Hübner: Absicht. Manche Spielerberater haben mich schon gefragt: Warum bist du immer so still, das hast du doch gar nicht nötig. Aber ich will nach außen kein Lautsprecher sein, davon gibt es in unserem Geschäft schon genug. Ich will nach innen gehört werden, und ich denke, dass mir das auch gelingt.