Frauenpower und Flachwitze beim Turmspringen

Diese drei schafften es aufs Podium: Turner Fabian Hambüchen, TV-Kommissarin Alexandra Rietz und Moderator Daniel Aminati.  (Foto: © ProSieben/Willi Weber)
Diese drei schafften es aufs Podium: Turner Fabian Hambüchen, TV-Kommissarin Alexandra Rietz und Moderator Daniel Aminati. (Foto: © ProSieben/Willi Weber)

Essen/München.. Erstmals gewannen beim „TV Total Turmspringen“ sowohl im Einzel- als auch im Synchronspringen weibliche Kandidatinnen. Leider schmälerten peinliche Zoten den Unterhaltungsfaktor.

Was Stefan Raab anfasst, wird meist ein Erfolg. Sei es TV Total, die Wok-WM, die Stock Car Crash Challenge bis hin „Unser Star für Oslo“ mit anschließendem Lena-Sieg beim Eurovision Song Contest. Auch beim Turmspringen - mithin nicht als Volkssportart bekannt - feiert der Televisionär Raab seit nunmehr sechs Jahren beachtliche Quotenerfolge für seinen Sender ProSieben. So versammelte Raab auch diesmal wieder 25 Teilnehmer, zumeist Sportler (Turner Fabian Hambüchen, Stabhochspringer Tim Lobinger und Boxerin Ina Menzer) oder B- und C-Promis (Moderator Daniel Aminati, Sänger Ben, Modelcaster „Rolfe“ Scheider) in der Münchener Olympia-Schwimmhalle.

Doch dass Erfolg nicht gleichbedeutend mit Qualität ist, demonstrierte die diesjährige Ausgabe der Wassersport-Veranstaltung leider deutlich. Das lag nicht unbedingt an den sportlichen Leistungen, denn die Teilnehmer zeigten teilweise sehr beachtliche Sprünge. Vor allem Fabian Hambüchen, Tim Lobinger sowie die „K11“-Fernsehkommissarin und Überraschungssiegerin Alexandra Rietz waren athletisch über jeden Zweifel erhaben. Beim Synchronspringen, das zumindest in den Vorrunden eher einem Asynchronspringen glich, setzte sich die Schermbeckerin Miriam Höller (ehemalige „Germany‘s Next Topmodel“-Kandidatin und Stuntfrau) gemeinsam mit der Beachvolleyball-Spielerin Ilka Semmler durch. Über weite Teile der Sendung geriet der sportliche Aspekt jedoch arg in den Hintergrund, es wirkte meist eher wie eine Fleischbeschau mit kurzen Frage-Antwort-Spielchen.

Darüber hinaus haben mehrere Faktoren den Unterhaltungsfaktor der Sendung leider erheblich geschmälert: Zum einen die ständigen Werbepausen, welche die ohnehin schon überlange Sendung noch erheblich verlängerten. So war „Nach nur einem Spot geht es weiter“ der meist genutzte Satz des gesamten Abends. Und selbst wenn gerade mal kein Werbe-Clip lief, sahen einige der Kandidaten - allen voran Raab-Dauergast Joey Kelly - aus wie wandelnde Litfasssäulen mit beinahe vollständig beklebtem Oberkörper.

Weit jenseits des guten Geschmacks

Noch schlimmer als die andauernden Unterbrechungen waren die Zoten von Moderator Matthias Opdenhövel und Über-Blondine Sonya Kraus, die selbst auf der Internet-Seite von ProSieben etwas despektierlich als „Reporterin“ - inklusive der Anführungszeichen - bezeichnet wird. Kraus, die mit ihrem extremst dekolletierten Beate-Uhse-Matrosenoutfit ein bisschen wie Sailor Moon für Erwachsene aussah, sorgte mit müden Witzchen über Fabian Hambüchens Hornhaut an den Händen für akutes Fremdschämen.

Besonders schlimm wurde es, als die „Verbotene Liebe“-Darsteller Jo Weil und Thore Schöllermann (die in der ARD-Serie ein schwules Paar spielen) mit folgenden „Pointen“ bedacht wurden: „Wenn ihr hier falsch aufkommt, dann tut es hinten richtig weh.“ (Kraus) und „Nicht rumspritzen, wir sind hier nicht auf dem Christopher Street Day.“ (Opdenhövel). Spätestens da dürstete es wohl jedem, der seine Pubertät erfolgreich hinter sich gebracht hat, danach, den Kanal zu wechseln. Dass sich teilweise auch die Kandidaten in ihrem Niveau daran anpassten, machte die Sache nicht besser. Dass bei Miriam Höller nach einer verpatzten Landung nach eigener Aussage „die Eierstöcke jetzt an den Mandeln hängen“ war der Information eindeutig zuviel.

Auch musikalisch ist der Zuschauer von Raab-Sendungen mehr gewohnt: Musik und Gesang der walisischen Sängerin Duffy waren teilweise so asynchron wie ein Turmsprung des Comedy-Duos Mundstuhl. Die deutsche Band „Polarkreis 18“ klangen bei ihrem Lied „Unendliche Symphonie“ ein wenig gelangweilt und sahen so aus, als trügen sie die Outfits von Kylie Minogues Hitvideo „Can‘t get you out of my Head“ auf.

Schmerzhafte Bauchklatscher inklusive

So wirkte auch das Publik über weite Strecken der Sendung seltsam ruhig, nur bei den unvermeidlichen Bauchklatschern kam richtig Stimmung auf. Besonders hervorgetan haben sich dabei „No Angel“ Lucy Diakovska und Stefan Raabs Adjutant Elton, die beide Landungen absolvierten, bei denen sich die Haut allein schon beim Zuschauen rötete. Eltons unsanfte Landung endete sogar mit einem blauen Auge – mit selbigem sind auch die Zuschauer der vierstündigen Dauerwerbesendung gerade noch davon gekommen.

 
 

EURE FAVORITEN