Frauen sind in der rechten Szene auf dem Vormarsch

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Siegen. Das Klischee steht wie in Stein gemeißelt: Ein Neonazi ist jung, männlich, haarlos, arbeitslos und aus dem Osten. Stimmt nicht! Denn häufig ist er nicht einmal männlich. Frauen sind in der rechten Szene auf dem Vormarsch, wie ein Vortrag an der Uni zeigt.

Johanna Sigl vom Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsradikalismus hat den Fokus auf die Frauen gelegt und Biografien am Beispiel von Aussteigerinnen aufgezeigt. Die Gründe für deren rechtes Engagement seien vielfältig: Die Suche nach Kameradschaft, Stress mit Ausländern oder „Da war ich endlich mal wichtig” bekam Sigl als Gründe zu hören.

Frauen haben dasselbe rassistische Weltbild

Nur eins habe sich nie bestätigt: „Ich bin nur wegen meines Freundes in die Szene gerutscht”. Allerdings sind viele dieser entschuldigenden Aussagen für die Expertin vorgeschoben. „Sie wollen sich rassistisch, antisemitisch oder nationalsozialistisch engagieren”, berichtet Sigl.

Denn Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich die Frauen in Sachen Weltbild und Vorurteilen nicht von den Männern unterscheiden würden. Allerdings nimmt die Zahl der Frauen bei den Wählern ab: Rund ein Drittel der Rechtswähler sind Frauen. Zehn bis 33 Prozent der Mitglieder in Cliquen, Organisationen und Kameradschaften sind weiblich, der Anteil in rechten Parteien liegt zwischen zehn und 40 Prozent und jede fünfte Führungsposition wird von ihnen belegt.

Nur bei den Straftaten fällt die Zahl noch deutlicher ab: Fünf bis zehn Prozent der Straftaten gehen auf das Konto von Frauen. Zumindest laut offizieller Statistik. „Aber nicht, weil sie friedlicher sind. Sie werden häufiger als Täter übersehen”, weiß Sigl. „Sie sind für das Schmiere stehen, Anfeuern und Anheuern zuständig.” Und sie wirkten oft im Inneren, als juristische Berater, gestalteten Internetseiten, organisierten Infostände und meldeten Demos an.

Warum sich Frauen als Neonazis engagieren, obwohl dort ein eher frauenfeindliches Klima herrscht, konnte die Wissenschaftlerin ebenfalls ermitteln. „Ganz häufig geht es um Wahlverwandtschaft. Der Biografieverlauf spielt eine ganz wichtige Rolle.” Denn wo die Anerkennung in der Familie oder positive Bezugspersonen fehlten, suchten sie sich ein anderes Umfeld und eine emotionale Verbindung.

Dabei nähmen sie auch Widersprüche in Kauf. Gerade, weil die rechte Ideologie die Frau oft eher am Herd und als Mutter sehe. Doch selbst dieser Widerspruch ließe sich überbrücken: Auch wenn sie mitunter als Frau in der Szene benachteiligt würden, könnten sich doch gegenüber anderen Gruppen und Nationalitäten als „überlegen” fühlen.

 
 

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