Französischen Charme erhalten

Regina Rotthauwe feiert ihren 107. Geburtstag erstmals im neuen Landhaus St. Marien in Haldern.
Regina Rotthauwe feiert ihren 107. Geburtstag erstmals im neuen Landhaus St. Marien in Haldern.
Foto: WAZ FotoPool
Regina Rotthauwe wurde am Dienstag 107 Jahre alt, gerade ist die älteste Bewohnerin von Rees ins Landhaus St. Marien gezogen

Haldern.. Vor 20 Jahren zog Regina Rotthauwe ins Alten- und Pflegeheim St. Marien und ist damit die langjährigste Bewohnerin. Am Dienstag wurde die agile Seniorin 107 Jahre alt. Und durfte sich über eine große Schar von Gratulanten freuen, darunter Bürgermeister Christoph Gerwers, um der ältesten Reeserin zu gratulieren und auch die Glückwünsche der Ministerpräsidentin zu überbringen.

Während die Honoratioren im Jagdzimmer auf den Jubilarin warteten, schritt Regina gewohnt elegant mit leichter Verspätung zum Empfang. „Ich habe Ihnen den Sekt kaltstellen lassen“, hieß die ehemalige Gastwirtin ihre Gäste willkommen.

In den vergangenen Jahren war ihr Geburtstag im großen Saal gefeiert worden. Und stets hatte ein alter Freund aus Wesel für sie am Klavier die Marseillaise gespielt, denn Regina Rotthauwe stammt aus dem Saarland und spricht heute noch Französisch. Gut, dass im neuen Landhaus das Klavier einen Platz im Jagdzimmer fand. So setzte sich kurzentschlossen ein Herr ans Klavier und stimmte die französische Nationalhymne an. Selbstverständlich sang die 107-Jährige textsicher mit, ebenso wie Sozialarbeiter Norbert Müsch. Pater Thomas van Xanten, der aus Amsterdam stammt, aber in Brüssel als Priester tätig war und bereits im dritten Schuljahr Französisch lernte, musste zugeben, dass Regina Rotthauwe ihm sprachlich überlegen ist. „Dabei musste ich sonntags immer einmal in Flämisch und einmal in Französisch predigen“, erzählte er schmunzelnd. Nicht geklärt wurde, wer von beiden Halderner Platt spricht.

Umzug ins Landhaus

Regine Rotthauwe hat gerade den Umzug vom Haupthaus ins Landhaus St. Marien überstanden. Von ihrem Appartement, in dem sie zwei Jahrzehnte lebte, nun in ein Einzelzimmer, das deutlich kleiner ist und in dem sie nicht alle Möbel stellen kann. „Die Bewohner müssen sich an die neue Wohnform gewöhnen. Ihr Zimmer ist eigentlich nur das Schlafzimmer, gelebt wird in der Wohnküche und im gemeinsamen Wohnbereich“, erklärt Verwaltungsleiter Klaus-Dieter Buckermann. Da Regina Rotthauwe ihre Mahlzeiten immer in Gemeinschaft zu sich genommen hat, wird diese Umstellung nicht schwer fallen. Eher vermisst sie das ein oder andere Möbelstück. Aber der Chippendale-Schrank, Sessel, Tischchen, Bilder und die Wanduhr finden im neuen Domizil Platz.

Gestern gehörte ihr 79-jähriger Neffe Friedhelm Louis aus Oberhausen zu den Gratulanten. Gerne erinnert er sich an die Zeit, als seine Tante im Oberhausener Bahnhof den „Wartesaal 3. Klasse“ führte. Ein Foto in ihrem Zimmer erinnert an die Zeit, als sie Wirtin der Bahnhofsgaststätte in Essen-Steele war. Ihr Vater spielte im Posaunenchor des deutschen Militärs und so kam die Familie viel herum. Um so schöner, dass Betreuerin Beate Anhulf-Mölders das umgedichtete Lied „Mein Vater war ein Wandersmann“, mit Akkordeon begleitend, anstimmte und Gäste und Bewohner freudig mitsangen.

 
 

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