Flugriesen, Windspiele und eine Botschaft

Julia Katharina Kirstein
Foto: Iris-MEDIEN

Lünen.  Wenn ein gelber Schulbus am Himmel schwebt und eine ganze Straße hinter sich herzieht, wenn ein riesiger Teddybär in einem Propellerflugzeug über der Lippe-stadt prangt, begleitet von einer Horde von Mainzelmännchen und einer überdimensionalen Schnecke – dann kann das nur heißen, dass Drachenfest-Zeit ist.

Dass sie sich für die 22. Auflage etwas wetterfester kleiden mussten als noch im vergangenen Jahr, hielt viele Besucher nicht davon ab, am Wochenende auf dem Segelflugplatz vorbeizuschauen. Der Zulauf sei am Samstag aufgrund des Wetters geringer gewesen als noch im Jahr zuvor, so die Einschätzung von Mitorganisator Uwe Gryzbeck.

Der Sonntag sei dann aber gleich gut gewesen wie 2010. Insgesamt habe man rund 300 Anmeldungen von Teilnehmern gehabt. Gryzbeck, Kollegin Ursula Bebko und Kulturbüro der Stadt zeigten sich gestern mit dem Sparkassen-Drachenfest zufrieden und kündigten weitere Zusammenarbeit an.

Neben bunten Riesen und schnellen Flitzern erwartete das Publikum besondere Drachenkunst aus dem Ausland. Mit dabei waren neben Nick James aus Bristol, der am Lüner Himmel sein Projekt der Engel und Teufel zeigte, und den White Horse Kiteflyers, ebenfalls aus Großbritannien, das Drachenkunstduo Melanie Walker und George Peters aus den USA. Walkers Drachen, die von Weitem wie schwarze Rechtecke aussahen, entfalteten ihren Effekt erst bei genauem Hinsehen. Aus der Nähe wurden die Tiergestalten sichtbar, die Walker von Fotoaufnahmen auf die Stoffe überträgt.

Bei Drachen gehe es nicht nur um das Visuelle, sondern um eine Aussage, so die Künstlerin. „Ich verwende Bilder von Tieren, um darauf aufmerksam zu machen, dass manche Arten gefährdet sind. Damit möchte ich die Menschen dazu animieren, die Dinge vielleicht etwas anders anzugehen.“ Zwar sei es ihr erster Besuch in Deutschland, so Walker, trotzdem sei ihr in den paar Tagen seit ihrer Ankunft am Montag schon bewusst geworden, dass man in Deutschland für den Umweltschutz offener sei. „Den Menschen hier ist die Problematik viel bewusster. In meinem Heimatland gibt es viele Leute, die sie nicht sehen wollen“, so Walker.

Frances Anderson und Pauline Taylor animierten dazu, sich mit einer Hand und einer Widmung auf Flaggen in der Größe eines DinA4-Blattes zu verewigen. Nachher wurden die Einzelteile auf zwei Schnüre gespannt. Aus mehreren Strängen, die oben an einer Stange befestigt wurden, entstand so ein großes Windspiel. „Dieses Kunstwerk soll ein Zeichen für Freundschaft und Zusammengehörigkeit sein“, erklärte Anderson, die mit ihrer Partnerin in der englischen Heimat Drachenworkshops für Kinder durchführt. Sie freute sich über die gute Beteiligung der Besucher. „Wir sind hier die ganze Zeit beschäftigt. Alle sind sehr freundlich und die Sprache ist auch kein Problem. Einige Kinder haben mir sogar schon deutsche Wörter beigebracht.“