Fleisch aus Heil für RTL-Kantine

Neuland in der Ökologiestation. Serie: Essen ist Leben
Neuland in der Ökologiestation. Serie: Essen ist Leben
Foto: Lukas Peuckmann
Der Neuland-Zerlegebetrieb auf der Ökostation in Heil versorgt unter anderem die Katine von RTL mit Fleisch. Als McDonald’s mit einem Auftrag kam, musste Geschäftsführer Hugo Gödde passen.

Heil. Essen ist Leben. Aber nicht immer wissen wir, wo unser Essen genau herkommt. Ein kurzer Blick im Supermarkt auf die Verpackung reicht da oft nicht aus. Wie wurde es produziert? Welche Zusatzstoffe wurden eingesetzt? Welche Belastungen gab es für die Umwelt?

Nicht erst seit den vielen Nahrungsmittelskandalen der 1990er Jahre hat ein Umdenken stattgefunden. Bio-Produkte sind beliebt, auch das grundlegende Essverhalten wird zunehmend hinterfragt. Beim Fleisch etwa häuft sich zunehmend die Frage nach artgerechter Tierhaltung. Ein Beispiel aus Bergkamen zeigt, wie eine regionale Lösung aussehen kann: Die Firma Neuland auf der Ökologischen Station Bergkamen-Heil.

Seit über zehn Jahren wird hier Fleisch aus artgerechter Tierhaltung von regionalen Produzenten verarbeitet und an Metzgereien, Kantinen und Unternehmen verkauft. Von Schweinen, über Rinder, Schafe bis hin zu Hühnern werden nahezu alle Fleischsorten verarbeitet.

„Das Bedürfnis nach ökologisch erzeugtem Fleisch haben wir hier schon sehr früh erkannt und so auch die aktuelle Entwicklung ein wenig vorweg genommen“, erzählt Neuland- Geschäftsführer Hugo Gödde. Bereits 1988 wurde Neuland auf Initiative von BUND, dem Deutschen Tierschutzbund und der bäuerlichen Arbeitsgesellschaft (ABL) in Castrop-Rauxel gegründet. Ausschlaggebend war die Idee einer ethischen Verpflichtung gegenüber dem Tier und der Umwelt.

„Wir fingen damals mit drei Prinzipien an, die auch heute noch bei uns gelten. Zum Einen natürlich die artgerechte Haltung der Tiere. Dazu der regionale Bezug unserer Produktion. Fast die Hälfte unserer Fleischproduktion stammt aus Bauernhöfen des Kreises Unna. Und als drittes Prinzip möchten wir einen fairen Preis, der auch die heimischen Bauern nicht auspresst“ erzählt Geschäftsführer Hugo Gödde.

Die Übersiedlung nach Bergkamen erfolgte für Neuland im Jahr 1999, nachdem aus dem ehemaligen Hof Schulze Heil die Ökologische Station des Kreises Unna geworden war.

„Als wir damals die etwas verfallenen Gebäude sahen, war der Betrieb hier schwer vorstellbar“, berichtet Gödde. Doch seither hat sich das Geschäft mit verantwortungsvollem und ökologischem Fleisch gut entwickelt. „Damals sind wir mit zehn Bauern als Fleischlieferanten gestartet, heute sind es bereits über 50 Bauernhöfe.“ Auch die Verarbeitungsquote stieg von 30 auf über 150 Schweinen pro Woche.

Über 20 Mitarbeiter kümmern sich mittlerweile bei Neuland um die Produktion von Bratwürstchen, Hackfleisch oder Nackenkoteletts. Je nach Kundenwunsch. Und mit höchsten hygienischen Ansprüchen. Straßenschuhe dürfen in der Produktionshalle nicht getragen werden, dazu Haarnetze, Mundschutz und Gummihandschuhe. „Fleisch ist ja auch anders als Getreide oder Kartoffeln anfälliger und würde ohne richtige Behandlung und Verarbeitung schnell verderben“ erzählt Hugo Gödde. Das ökologische Angebot wissen verschiedene Abnehmer zu schätzen. Unter ihnen etwa die Mitarbeiterkantine von RTL in Köln oder die Mensen verschiedener Universitäten. Auch Kindergärten, Verwaltungen oder Unternehmenskantinen werden beliefert. „Vor einigen Jahren hatten wir auch mal eine Anfrage von McDonalds. Die wollten ihr Angebot um biologisches Fleisch erweitern.

Als die ihren wöchentlichen Bedarf an Fleisch angaben, mussten wir aber absagen. Dafür hätten wir unsere gesamten Bestände auf einmal schlachten müssen. Das entspricht nicht unserem ökologischen Anspruch“, erklärt Hugo Gödde.

Auch um den zukünftigen Fleischgenuss macht sich Neuland Gedanken. „Lieber weniger, dafür gutes Fleisch essen“ ist einer dieser Gedanken. Für eine privatwirtschaftlich geführte Firma ein verwunderlicher Gedanke, da doch meist Profit- und Absatzsteigerung im Vordergrund stehen. Doch Neuland ist seiner ursprünglichen Idee treu geblieben und möchte ein Beispiel für ökologische Fleischproduktion und bewusstes Essverhalten sein. Ein Verdienst nicht zuletzt der idealistischen Neuland-Mitarbeiter rund um Geschäftsführer Hugo Gödde.

 
 

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