Fernseh-Sender kämpfen um Quote - seit jeher

Thomas Gottschalk erklärt dem Saalpublikum den Abbruch der Sendung.                  Foto: Joachim Kleine-Büning
Thomas Gottschalk erklärt dem Saalpublikum den Abbruch der Sendung. Foto: Joachim Kleine-Büning
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Essen.. Quote über alles? Der tragische Unfall bei „Wetten, dass...?“ in Düsseldorf hat eine Debatte über den Erfolgsdruck im Fernsehen ausgelöst. Tatsächlich hat sich der Kampf ums Publikum verschärft: Das Sender-Angebot wuchs in den vergangenen zehn Jahren, während das Publikum in einer alternden Gesellschaft schrumpft. Aber: TV-Shows versuchen sich seit jeher zu überbieten.

Es war vor 40 Jahren. Das Angebot war übersichtlich. Privatsender standen nicht mal zur Debatte. Dennoch war das Fernsehen damals wilder, als es im Nachhinein erscheint. Einer der größten Provokateure war Dietmar Schönherr. 1970 sorgte er in seiner Show „Wünsch Dir was“ für einen Skandal: Er und Co-Moderatorin Vivi Bach ließen kurzerhand eine 18-jährige Kandidatin in einer durchsichtigen Bluse aufmarschieren. Der prüde Teil des Publikums war empört. Der Tumult war gewollt: „Wir nehmen Proteste nicht nur in Kauf, sondern wir fordern sie ganz bewusst heraus.“

Damit nicht genug: Im Jahr darauf inszenierte Schönherr einen Unfall, bei dem die Kandidaten in ihrem Auto zu Wasser gelassen wurden. Sie gerieten in Lebensgefahr. „Alles halb so schlimm“, behaupteten sie. Hinter den Kulissen brachen sie zusammen.

Was damals provokant wirkte, war Mitte der 80er-Jahre kaum mehr als ein billiger Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen für neue TV-Anbieter. 1985 begann die Ära des werbefinanzierten Fernsehens. Die beiden ersten Neulinge auf dem Markt, RTL und Sat.1, wollten sich nicht nur von den Öffentlich-Rechtlichen absetzen – sie mussten es sogar.

Vor allem RTL sorgte buchstäblich für Aufsehen mit Shows, die Tabus verletzten. So schrieb Hugo Egon Balder mit seinem Strip-Quiz „Tutti Frutti“ Anfang der 90er-Jahre TV-Geschichte. Zehn Jahre später legten die Kölner Privatfunker die Niveau-Latte noch tiefer: „Big Brother“ bot Spanner-Fernsehen.

Doch auch das gebührenfinanzierte Fernsehen änderte sich. 1980 erfand Frank Elstner die Show „Wetten, dass...?“, die dem ZDF sensationelle Quoten bescherte.

„Durchaus gefährlich“

Der Kölner Medienforscher Dietrich Leder führt den Erfolg der Show auf den „zirzensischen Charakter der Veranstaltung“ zurück. In der Show waren laut Leder immer wieder Wetten zu sehen, „die durchaus gefährlich für die körperliche Gesundheit der Wettkandidaten zu sein schienen“. So hatte Kandidat Hans-Peter Arnold 1989 in Dortmund bei einer Ballon-Wette Riesenglück, als der Fallschirmspringer nur mit Mühe in einen tiefer fliegenden Ballon kletterte. Überhaupt gab es im Zirkus Gottschalk gerade mal einen Beinbruch. Noch jede Panne ging glimpflich aus – bis letzten Samstag.

Dass die Düsseldorfer Sprung-Wette riskant war, wussten die Verantwortlichen, zumal der Kandidat bereits bei den Proben gestürzt war. Doch gerade originelle Wetten waren zuletzt Mangelware. Zugleich stieg der Druck von RTL-Shows wie „Das Supertalent“. Schließlich sah es so aus, als sei „Wetten, dass...?“ nicht mehr das, was es lange war: Europas erfolgreichste Show.

Das ZDF will vorerst weitermachen. Der Sender hat bis Mitte 2011 geplant. Was nach dem Sommer-Special im Juni auf Mallorca passiert, ist offen. ZDF-Programmchef Thomas Bellut mochte sich auf Nachfrage dazu nicht äußern.

 
 

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