Fanszene kritisiert Pyrotechnik-Verbot von DFB und DFL

Nach den Randalen in Dortmund: Die Fanszene kritisiert die Verbotspolitik von DFB und DFL. Foto: dapd
Nach den Randalen in Dortmund: Die Fanszene kritisiert die Verbotspolitik von DFB und DFL. Foto: dapd
Mit Enttäuschung haben die Fans die Null-Toleranz-Linie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aufgenommen. Ein gemeinsamer Dialog sei zielführender als ein Verbot der Pyrotechnik, kritisiert die Szene.

Leipzig. „Da ist eine Tür zugeschlagen worden, die man besser offen gehalten hätte. Wir brauchen friedliche und kreative Fans und deshalb muss es auch Freiräume für Fankultur geben“, kommentierte Matthias Stein, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte aus Jena: „Ich sehe nun aber genau die friedlichen Fans innerhalb der Ultras, die Kreativen und Kooperativen, in die Defensive gedrängt. Ich befürchte, dass Argumente nach dem Motto ‘Wir kriegen am Ende eh alles verboten’ nun wieder in den Mittelpunkt kommen. Das wird unsere Arbeit in den Fanprojekten erheblich erschweren.“

Auch der Sprecher der Initiative „Pyrotechnik legalisieren“, Jannis Busse, sprach von „abgewürgten Gesprächen“. Mit der jetzt eingetretenen Situation könne niemand glücklich sein. Innerhalb der Initiative hatten sich in den letzten Monaten Fans von 50 Gruppen der Ultraszene engagiert. Von den „Aachen Ultras“ über die „Generation Luzifer“ Kaiserslautern bis hin zu den Red Kaos 1997 aus Zwickau.

Gemeinsam an einen Tisch

„Da haben sich in der Diskussion Fangruppen gemeinsam an einen Tisch gesetzt, die eigentlich spinnefeind sind. Da sind von den Fans Regeln aufgestellt und diskutiert worden. Ich erinnere nur an das Moratorium zur Pyrotechnik vom Saisonbeginn, das weitgehend erfolgreich war. Diese Kampagne war für unsere Fanarbeit insgesamt sehr wertvoll. DFB und DFL hatten die Chance zum Dialog mit Gruppen, zu denen sie ansonsten nur schwer Zugang finden. Jetzt haben wir aber verhärtete Fronten“, so BAG-Sprecher Stein.

Er verwies darauf, dass Fans auf die Hersteller von so genannten Bengalos ebenso zugegangen seien wie auf die Feuerwehr, mit der mögliche Berechtigungsscheine für das kontrollierte Abbrennen von Bengalos in Stadien diskutiert wurden. Auch wenn derartige Initiativen am Ende nicht zur Legalisierung geführt hätten, ist es auch für Busse der falsche Weg, die Gespräche abzubrechen: „Wir hatten drei Gesprächsrunden mit dem DFB, die von unserer Seite sehr ernsthaft geführt worden sind, aber offenbar vonseiten des DFB nur Scheingefechte waren“, sagte Busse.

Pyrotechnik und Gewalt nicht gleichzusetzen

Busse und Stein waren sich einig, dass Pyrotechnik im Stadion und Gewalt nicht gleichzusetzen sind. Sie verwiesen darauf, dass sich alle Unterzeichner-Gruppen der Legalisierungs-Kampagne verpflichtet hätten, auf Knallkörper und Raketen ebenso zu verzichten wie auf das Werfen und unkontrollierte Abbrennen der Bengalos sowie von Leuchtspur-Geschossen. „Pyrotechnik ist und bleibt ein Bestandteil der Fanszene. Wir müssen uns nun zusammensetzen und diskutieren, was wir tun können“, sagte Busse.

Für die BAG der Fanprojekte fordert Stein jetzt in der von DFB und DFL anvisierten „Taske Force Sicherheit“ Mitspracherecht: „Wir müssen miteinander und nicht übereinander reden. Der DFB betont immer wieder, wie wichtig die Arbeit mit den Fans ist und unterstützt diese auch. Aber wenn Beschlüsse wie die jüngsten getroffen werden, dann fehlen Fanvertreter am Tisch, und der Expertenrat der Fanprojekte wird nicht eingeholt“, kritisierte Stein. (dapd)

 
 

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