Fans sauer über Aus der ARD-Soap „Marienhof“

Tim Rahmann
Die Schauspieler vom „Marienhof“ müssen sich ab Mai 2011 einen neuen Job suchen. Foto: Jo Bischoff/ARD
Die Schauspieler vom „Marienhof“ müssen sich ab Mai 2011 einen neuen Job suchen. Foto: Jo Bischoff/ARD
Foto: ARD/Jo Bischoff

Essen. Nach 22 Hochzeiten, elf Geburten und sechs Morden ist bald Schluss: Die ARD-Serie Marienhof wird Ende Mai 2011 zum letzten Mal ausgestrahlt. Die Serie habe nicht mehr den nötigen Erfolg gehabt, sagt die ARD. Fans weisen das energisch zurück.

Voraussichtlich im Mai 2011 wird die letzte Folge „Marienhof“ im Ersten ausgestrahlt. Die aktuelle Staffel endet mit der Episode 4053, eine Fortsetzung ist nicht geplant. Das gab die ARD am Donnerstag bekannt.

„Wir haben zahlreiche Versuche unternommen, das Format wieder attraktiver zu machen. Wir haben im Frühjahr eine neue Kulisse geschafft, neue Darsteller integriert. Leider hat das nicht den nötigen Erfolg gebracht“, sagt Burchard Röver, Pressesprecher der ARD. Die Quote lag zuletzt bei rund 1,6 Millionen Zuschauer. Das war zu wenig. „Die Quote ist die einzig objektive Messgröße“, so Röver. „Daran müssen wir uns orientieren.“

Seit Oktober 1992 auf Sendung

Dieses Argument lässt Grischa Baumeister nicht gelten. Der 28-Jährige aus Haltern am See leitet den „Christian Volkmann Fanclub“(Volkmann spielte die Rolle des David Verhaag im „Marienhof“). Baumeister ist seit der ersten Stunde Fan der Daily Soap. Er sagt: „Marienhof hatte nachweislich Erfolg. Beim jungen Publikum hatte die Sendung einen Marktanteil von 8,6 Prozent, das ist deutlich mehr als im Gesamtdurchschnitt.“

Mit dem Ende von „Marienhof“ würde die ARD endgültig die jungen Zuschauer zu den Privaten treiben. „Das Erste hat außer ,Marienhof’ und ,Verbotene Liebe’ keine einzige Sendung für jüngere Zuschauer im Programm“, sagt Baumeister. Den Sendeplatz vom „Marienhof“ sollen laut ARD Krimis einnehmen. Sie sollen die Zwei-Millionen-Zuschauermarke knacken.

„Marienhof“ wurde erstmals am 1. Oktober 1992 ausgestrahlt. In den über 3900 Folgen, die bis Mittwoch ausgestrahlt wurden, gab es 33 Hochzeiten, sieben unerfüllte Hochzeitsanträge, 33 Tote, von denen sechs ermordet wurden, elf Geburten und unzählige Gastauftritte Prominenter.

„Verbotene Liebe“ künftig länger

„Mir gefällt die Sendung so gut, weil sie nie künstlich war. Die Serie bildete den Alltag ab. Es sind Geschichten, wie sie auch in meinem Freundeskreis passieren können“, sagt Grischa Baumeister. „Ich gucke auch andere Soaps. Aber keine ist so authentisch wie ,Marienhof’.“ Ende Mai soll nun Schluss sein. Der 28-Jährige will dagegen kämpfen. Zusammen mit anderen Fans hat er bereits vor der ARD-Entscheidung Unterschriften für einen Erhalt der Sendung gesammelt. „Wir überlegen, ob wir nun ein Protestschreiben aufsetzen und gegen die Entscheidung demonstrieren“, sagt der Edelfan.

Die ARD versucht, die Wogen zu glätten. Pressesprecher Burchard Röver kündigt an, dass die Seifenoper nicht abrupt enden wird. „Die Geschichte wird zu Ende erzählt“, sagt Röver. Außerdem soll „Verbotene Liebe“ von dem „Marienhof“-Aus profitieren: Die Sendung wird auf 45 Minuten ausgeweitet, kündigte die ARD gegenüber DerWesten.de an.