Fachwissen als Entwicklungshilfe

Foto: Henryk Brock

Unna. „Nanga def“ ist ein gambischer Dialekt und heißt so viel wie „Hallo“. Auf ihre deutsche Begrüßung eine solche Antwort jetzt in Landessprache zu hören, würde Jabou Puye und Fabakary Trawalley sicher erstaunen.

Auch wenn beide jetzt ziemlich viel staunen, sind sie doch aus der Republik Gamibia erstmals in das für sie unbekannte Deutschland gereist, um am Evangelischen Krankenhaus die Chance auf Weiterbildung zu nutzen.

Organisiert über den Gemeinnützigen Verein für Entwicklungshilfe und Kooperation (kurz Geko), der bereits seit Jahren in dem westafrikanischen Staat tätig ist.

Unter anderem beim Krankenhausprojekt mit dem Zentralkrankenhaus des Landes „Royal Victoria Hospital“ (RVH) in der Hauptstadt Banjul. „Mit dem Ziel, die medizinische Versorgung zu verbessern, medizinisches Personal weiter zu bilden und medizinische Ausrüstung zu spenden“, erklärt Geko-Vorsitzender Jürgen Poller. Finanziell wird Geko durch den Kreis Unna unterstützt und mit Spenden und Weiterbildungsmöglichkeiten durch das Evangelische Krankenhaus.

Hier würde er jeden Tag eine Menge lernen, erklärt Fabakary Trawalley auf gutem Englisch, der Landessprache der einstigen britischen Kolonie.

Sein Hauptinteresse gelte der Hygiene im Krankenhaus, erzählt der 39-Jährige, da er selbst die Zentralsterilisation des RVH leiten würde, ohne in diesem Fachgebiet jemals eine spezielle Ausbildung erhalten zu haben. Tief beeindruckt habe ihn hier bereits an den ersten Arbeitstagen im EK „die absolut strikte Trennung der allgemeinen und der sterilen Bereiche.“ Er werde bei seiner Rückkehr darauf drängen, dass hier neue Standards eingeführt werden, ähnlich wie er sie in der Zentralen Sterilgut Versorgungsabteilung (ZSVA) des Evangelischen Krankenhaus über seine deutsche Amtskollegin Eva Hopp kennengelernt habe.

Sie war ebenso wie Ruth Walentowski schon im Partnerkrankenhaus zu Besuch. Wo der Mangel an Spezialgerät oft durch Improvisation wett gemacht würde. „Statt pneumatischem Spezialbohrer wird so eine normale Black&Decker Bohrmaschine eingesetzt, um Knochen zu perforieren“, erzählt OP-Schwester Walentowski.

Schwerpunkt von Krankenschwester Jabou Puyke ist es, beim Gastaufenthalt Funktion und Bedienung von medizinischem Gerät im OP und auf der Intensivabteilung kennen zu lernen. Daheim habe man kaum solche Überwachungsmonitore, „da wird fast alles noch manuell überprüft“, erzählt sie. Da das Land aber nach und nach bestrebt sei, diese Technik anzuschaffen, werde ihr praktisches Wissen für die Kollegen von großem Nutzen sein, so die 42-Jährige.

Und darum gehe es auch, sagt Dr Uwe Devrient, Oberarzt der medizinischen Klinik, „zu wissen, was man mit den Werten, die die Technik liefert, für die Behandlung anfängt.“

 
 

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