Fachfrau für Systemgastronomie

Eigentlich wollte Nicole Zimmermann nur ein paar Monate in der Systemgastronomie bleiben, um ein bisschen Taschengeld dazuzuverdienen. Aus den paar Monaten sind mittlerweile elf Jahre geworden.

Elf Jahre in einem Job, in dem sie manchmal mit Vorurteilen zu kämpfen hatte: „Als ich mit 16 Jahren im Verkauf angefangen hab, fanden einige, das sei unwerte Arbeit“, erzählt die Leiterin des Mc Donald’s Restaurants am Ostenhellweg in Dortmund. Heute ist die Brechtenerin Chefin von 39 Mitarbeitern und zwei Azubis. „Die Anforderungen an die Bewerber sind in den letzten Jahren stark gestiegen – und die Vorurteile haben abgenommen“, sagt die 27-Jährige, die sich in ihrer Freizeit gerne mit Freunden trifft, shoppen geht und reist. Die WR sprach mit Nicole Zimmermann über Arbeitsalltag, Bonussysteme und Secret-Shopper.

Welcher Typ ich bin. „Ich könnte nicht acht Stunden lang nur im Büro sitzen und warten, bis Feierabend ist. Ohne Kontakt zu anderen Menschen. Ich brauche denUmgang imTeam, fühle mich für meine Auszubildenden und meine Mitarbeiter hier sehr verantwortlich.“

Wie ich an die Lehrstelle kam. „Nach dem Abi habe ich zunächst ein Studium angefangen, ein Semester lang. An der Uni war ich eine von 600 Studenten im Hörsaal, es war total anonym und unpersönlich. In meinem Nebenjob ging ich viel mehr auf, da lag der Schritt zumWechsel in die Gastronomie nahe.

Zuerst habe ich an eine Lehre zur Hotelfachfrau gedacht. Als ich jedoch durch eine Freundin mitbekam, wie wenig die Auszubildenden verdienen und wie happig die Arbeitszeiten sind, habe ich mich auf das besonnen, was ich kannte und mochte: Fachfrau für Systemgastronomie wollte ich werden. Bei uns ist die Vergütung angemessen, 650 Euro in der Lehre sind relativ viel. Aufgrund meines Abiturs konnte ich die Ausbildung um ein Jahr verkürzen. 2006 wurde ich fertig, seit einem Jahr bin ich Restaurantleiterin.“

Wie mein Arbeitsalltag aussieht. „Mein Alltag ist sehr abwechslungsreich. Der Schichtdienst ist in Früh- und Spätschicht à acht Stunden unterteilt. Arbeitsbeginn ist um sieben Uhr, das Restaurant öffnet um acht und schließt um 21 Uhr, Schichtende ist um 23 Uhr. Natürlich bin ich auch, besonders an Samstagen und zu umsatzstarken Zeiten, produktiv tätig – so heißt die Arbeit im Restaurant, zu dem Service, Küche und Gästebereich gehören. Hinzu kommt in meiner Funktion ein Batzen an Aufgaben: Ich teile Schichten ein, entwickle Business- und Aktionspläne, erstelle Analysen und Umsatzpläne, mache den Monatsabschluss. Kein Tag ist wie der andere. Als Ausbilderin bereite ich einmal im Monat einen Ausbildungstag für meine Azubis vor, entwickle Übungen und Tests zur Wiederholung und begleite sie – so weit möglich – auf ihren Schichten.“

Warum die Ausbildung unterschätzt wird. „Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll. Man wird hart rangenommen, muss diszipliniert und konzentriert sein. Über den ganzen Tag muss man mit einem wahren Informationsfluss klarkommen und gleichzeitig schnell sein: Bei uns gibt es genaue Vorgaben, etwa darüber wie lange die Servicezeit – das ist die Zeit von der Bestellung bis zur Ausgabe – dauern darf oder wie die Temperatur des Fleisches sein muss. Der theoretische Part in der Berufsschule beinhaltet Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaft, Englisch, Deutsch und den so genannten lernfeldbezogenen Unterricht wie etwa Produktpflege und Produktentwicklung. Die übrigen Inhalte sind dieselben, die man auch in der klassischen Gastronomie lernt: wie man Menüs zubereitet, Menükarten erstellt, wie man Fachbegriffe von der einfachen Küche bis Haute Cuisine anwendet.“

Wie man nach der Ausbildung einsteigt. „Nach der Ausbildung ist man entweder Crew-Trainer, also Mitarbeiter in anleitender Funktion, oder man kann sich zum Schichtleiter, also fürs Management, qualifizieren, kann dann zum Assistenten und schließlich zum Restaurantleiter aufsteigen. Parallel absolviert man eine ganze Reihe von Kursen im Mc Donald’s Hauptschulungscenter in München. Im September war ich dort, um einen Kurs zur Businessplanung zu belegen. Um nach der Ausbildung Schichtleiter werden zu können, muss man einen Kurs belegen und eine Zertifizierung erwerben. Als ich das erste Mal Schichtleiterin war, dachte ich nur: Die Welt ist ungerecht, dennmanmuss ein Auge auf alles und ein Ohr für alles haben, die Pausen einteilen, die Kassen abrechnen. Viel Verantwortung hat man da plötzlich!“

Was Geld für mich bedeutet. „Ich werde nach Tarif bezahlt. Aber ich finde, dass die Bezahlung -- gemessen an der Verantwortung, die ich habe -- besser sein könnte. Neben dem Gehalt bekomme ich Sonderleistungen: Im nächsten Jahr kriege ich einen Firmenwagen gestellt. Außerdem gibt es Bonussysteme: übertarifliche Nachtzuschlag- Bezahlung, Wäschegeld, und unser Personalessen ist bis zu einem bestimmten Betrag frei. Das ist in diesem Maße nicht überall üblich. Zwei Mal im MonatkommenSecret-Shopper in unsere Filiale. Sie überprüfen – natürlich unerkannt – die Sauberkeit im Gästebereich und in den Toiletten, die Qualität des Essens, die Servicezeit und die Hygiene. Besteht unsere Filiale diesen Test, bekommen die Mitarbeiter Bonuszahlungen.“

Was ich an meinem Job mag. „Ich mag es sehr, mit Menschen umzugehen, im Team und mit den Gästen. Außerdem gefällt mir, dass es für mich keinen Alltagstrott gibt. Jeder Tag, jede Woche ist anders. Der einzige Wermutstropfen ist die Arbeit amWochenende: Viele meiner Freunde, die z. B. Beamte sind, haben frei, wenn bei uns das Restaurant besonders brummt. Um freie Sonntage zu haben, hätte ich wohl doch den Bürojob wählen müssen...“

 
 

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