Extrem erhöhte Strahlung im Meer um Fukushima

DerWesten
Aus dem Havariereaktor fließt offenbar stark kontaminiertes Wasser ins Meer. Tausendfach höhere Strahlung gemessen. Greenpeace traut unterdessen den offiziellen Angaben nicht und misst jetzt selbst die Stahlenbelastung.

Tokio. Am havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima spitzt sich die Lage erneut zu: Reaktor 3 der Anlage ist möglicherweise beschädigt, die Folge könnte eine erheblich stärkere Verstrahlung sein als bislang angenommen. In mehreren Gegenden in Japan wurden erhöhte Strahlungswerte im Leitungswasser gemessen. Zwei Wochen nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer unterdessen auf über 10.000.

In Block 3 von Fukushima „könnte etwas beschädigt worden sein“, sagte Hidehiko Nishiyama von der japanischen Atomaufsicht NISA. Sollte tatsächlich der Reaktorkern betroffen sein, könnte die Radioaktivität in der Umgebung des Kraftwerks deutlich ansteigen. Die wahrscheinlichste Folge wäre eine Kontamination des Grundwassers.

Strahlenwert binnen Tagen extrem gestiegen

In Meerwasser außerhalb eines der sechs Blocks von Fukushima sei um das 1.250-fache erhöhte Radioaktivität gemessen worden, sagte Nishiyama. Grund sei vermutlich sowohl in die Luft abgegebene Radioaktivität als auch der Austritt von kontaminiertem Wasser. Eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit bestehe aber nicht. Ein Reaktorblock solle mit Süßwasser gekühlt werden, erklärte der Sprecher am Samstag.

Am Dienstag hatte der Wert bei Messungen noch um das knapp 127-fache über der zulässigen Grenze gelegen. Daraufhin hatten die Behörden eine Verschärfung der Kontrollen von gefangenem Fisch und Meeresfrüchten an der Küste angeordnet. Am Donnerstag lag der Wert laut Tepco das 145-fache über dem Grenzwert.

Wasser mit einer ähnlich hohen Strahlenbelastung wurde nach Angaben der Betreiberfirma Tepco auch im Block 1 von Fukushima entdeckt. Ebenso wurde in den Blöcken 2 und 4 Wasser gefunden, von dem das Unternehmen annimmt, dass es radioaktiv ist.

Atom-Experten der Umweltschutzorganisation Greenpeace begannen am Samstag damit, in der Umgebung des Atomkraftwerks eigene Messungen vorzunehmen. „Wir sind nach Fukushima gekommen, um die Auswirkungen der Krise festzuhalten und unabhängige Erkenntnisse über die radioaktive Verseuchung zu ermöglichen“, erklärte Greenpeace-Atomexperte Jan van de Putte. Mit den eigenen Messungen solle eine Alternative zu den häufig „widersprüchlichen“ Angaben der Behörden geschaffen werden.

Behörden in Tokio verteilen Mineralwasserflaschen

In der Hauptstadt Tokio lag der Strahlungswert bei Leitungswasser doppelt so hoch wie der von der Regierung vorgegebene Grenzwert für Kleinkinder. Einwohner kauften massenweise Mineralwasserflaschen. Behördenvertreter verteilten Mineralwasser an Familien mit Babys.

Nach Polizeiangaben waren am Samstag 10.151 Todesopfer bestätigt, mehr als 17.000 Menschen wurden noch vermisst. Letztlich rechnen die Behörden mit mehr als 18.000 Toten wegen des Erdbebens und des nachfolgenden Tsunamis am 11. März. An der Nordküste Japans haben Hunderttausende Menschen, deren Häuser zerstört wurden, noch immer keinen Strom und keine warmen Mahlzeiten. (dapd/afp)