Experte sieht in Fukushima ein zweites Tschernobyl

Atomsicherheits-Experte Wolfgang Renneberg glaubt nicht, dass die Gegend um das AKW in Fukushima noch zu retten sei. Die zukünftigen Auswirkungen seien vergleichbar mit denen in Tschernobyl. Zudem kritisiert Renneberg den Umgang der Betreiberfirma mit beiden verstrahlten Arbeitern.

Essen. Für die Gegend um das beschädigte Kernkraftwerk im japanischen Fukushima gibt es keine Hoffnung mehr. Das erklärte Atomsicherheitsexperte Wolfgang Renneberg im Gespräch mit DerWesten. Für die Zukunft prognostiziert er Fukushima „ähnliche Zustände wie in Tschernobyl.“

Zwei Wochen kämpfen die Arbeiter in Fukushima nun schon gegen die Folgen des Tsunamis, der das Atomkraftwerk stark beschädigt hat. Die japanische Regierung hat für die Sperrzone von 20 bis 30 Kilometern rund um das Kraftwerk noch keine Entwarnung gegeben. Es sei „wünschenswert“, dass die Menschen in einem Radius zwischen 20 und 30 Kilometern um das Kraftwerk das Gebiet „freiwillig“ verlassen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Freitag. Der langjährige Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, bezweifelt jedoch, dass dort noch einmal Menschen leben werden. Die Folgen der Atomkatastrophe könnten jetzt kaum noch verhindert werden.

Hohe Strahlenbelastung rund um das AKW

Nach Veröffentlichungen auf den Internetseiten der japanischen Atomaufsicht NISA wurde am 20. März in 40 Kilometer Entfernung zu den Reaktoren eine Caesium137-Belastung von 163.000 Bequerel je Kilogramm Erde gemessen. Renneberg: „Da kann man sich auf Dauer nicht aufhalten.“ Er glaube, so sagte er weiter, dass die Katastrophe in Fukushima in ihren Ausmaßen mit Tschernobyl vergleichbar sei. Denn die bereits entstandenen Schäden seien irreversibel: „Jetzt ist die Strahlung da, und die geht auch nicht mehr weg.“

Düstere Prognose für die Zukunft

Kritisch sieht der Experte die Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter, die in dem AKW noch versuchen, die Katastrophe einzudämmen. Zwei Arbeiter waren am Donnerstag verstrahlt worden, als sie in radioaktiv verseuchtes Wasser getreten waren. Das Wasser gelangte über den Rand ihrer Stiefel auf ihre Beine, wie ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco sagte. Tepco gab daraufhin den Arbeitern eine Mitschuld an ihren Verletzungen, sie hätten nicht auf die Geigerzähler, die sie dabei hatten, geachtet. Diese Aussage findet Renneberg bedenklich: „Natürlich müssen die Arbeiter Verantwortung für sich selbst übernehmen. Aber es kann nicht sein, dass sie ohne vernünftige Schutzmaßnahmen und nur mit Gummistiefeln in so gefährliche Bereiche geschickt werden.“

Rennebergs Szenario für die Zukunft von Fukushima ist düster. Es würde wohl ein Schutzzaun um das AKW errichtet, damit die Arbeiter weiter Wartungsarbeiten an der zerstörten Anlage durchführen könnten. „Das wird ein Sperrgebiet werden.“

 
 

EURE FAVORITEN