Ex-Zivi aus Bochum droht Haftstrafe wegen Dienstflucht

Justizia könnte einem 22-jährigem Bochumer eine Haftstrafe bescheren, weil der sich vorm Zivildienst gedrückt hatte. Foto: Sergej Lepke
Justizia könnte einem 22-jährigem Bochumer eine Haftstrafe bescheren, weil der sich vorm Zivildienst gedrückt hatte. Foto: Sergej Lepke
Weil er monatelang seinen Zivildienst geschwänzt hatte, muss ein 22-jähriger Bochumer um seine Freiheit bangen. In einem Berufungsprozess will er eine erstinstanzlich verhängte Haftstrafe von einem Jahr abwenden.

Bochum. Einem 22-jährigen Bochumer, der sich monatelang um seinen Zivildienst herumgedrückt hatte, will jetzt auch unbedingt einen langen Aufenthalt im Gefängnis vermeiden. Er war im Dezember 2010 vom Amtsgericht zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Dagegen ging er am Dienstag vor dem Landgericht in die Berufung,

Der Mann mit knallbunt gefärbtem Haar ist ein so genannter Bewährungsversager. Er war bereits im März 2010 wegen „Dienstflucht“ zu einem Jahr Haft mit Bewährung verdonnert worden, weil er als Kriegsdienstverweigerer monatelang den Zivildienst geschwänzt hatte. Diese Warnung schlug er aber in den Wind. Denn er ging auch nachher nur sechs Tage zum Dienst (im Behindertenheim) und blieb dann erneut unentschuldigt fern. Dabei hätte er noch bis Juli 2010 dort arbeiten müssen.

„Ich betrinke mich dann lieber“

Der Angeklagte gibt alles zu. „Ich weiß manchmal selber nicht, warum ich nicht hingehe“, sagte er. Nach nur ein paar Tagen Arbeit rede er sich immer etwas ein, damit er nicht mehr zum Dienst erscheinen müsse. Und wenn er dann einmal weggeblieben sei, habe er Angst vor Konsequenzen - deshalb schwänze er auch weiterhin. „Ich betrinke mich dann lieber.“ Damit könne er er dann alle Sorgen „platt machen“.

Psychiater untersucht Schuldfähigkeit zur Tatzeit

Bevor das Gericht ein Urteil spricht, will es den Angeklagten erst von einem Psychiater untersuchen lassen. Eventuell war er vermindert schuldfähig. Denn am Dienstag kam heraus, dass er Psychopharmaka wegen angeblicher Angststörungen nimmt. Zur Tatzeit habe er auch täglich mindestens vier Flaschen Bier und Hasch konsumiert, sagte er.

Wie gesiebte Luft riecht, weiß er bereits. Er hatte einmal wegen Drogen zwei Wochen in Arrest geschmort. „Sowas möchte ich in keinster Weise nochmal erleben!“

 
 

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