Ermittlungen zur Loveparade stehen vor Abschluss

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Duisburg. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zur Loveparade-Katastrophe stehen vor dem Abschluss. Rund 60 Opfer der Loveparade, die sich am vergangenen Wochenende trafen, berichteten über existenzielle Sorgen.

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zur Loveparade-Katastrophe stehen nach Informationen von DerWesten vor dem Abschluss. „Ein Ende zeichnet sich ab. Das Bild wird immer schärfer“, sagte Rolf Haferkamp, Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft, dieser Zeitung.

Parallel laufen erste Gespräche zwischen der die Opfer vertretenden Düsseldorfer Anwaltskanzlei Baum, dem Loveparade-Veranstalter Lopavent, der Stadt Duisburg und dem Land NRW über eine Entschädigung der Opfer.

Über den Kreis der Per­sonen, bei denen sich ein Anfangsverdacht erhärtet haben könnte, machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Duisburgs OB Sauerland sei „eine von zig Personen, bei denen eine Verantwortlichkeit geprüft wird“, so Haferkamp. Es werde „gegen niemanden speziell, sondern gegen unbekannt ermittelt.“

Opfer haben existenzielle Sorgen

Rund 60 Opfer der Loveparade, die sich am vergangenen Wochenende trafen, berichteten über existenzielle Sorgen. Sie stecken mitten in einer Therapie oder stehen kurz davor. „Inzwischen gibt es tatsächlich einige, die aufgrund ihrer langen Erkrankung nach dem Unglück auf der Loveparade ihren Arbeitsplatz oder ihre Ausbildungsstelle verloren haben“, sagte Jürgen Hagemann, der Vorsitzende des Opfer-Vereins „Massenpanik Selbsthilfe“. Manch einer sei durch die Verletzungen, durch psychische Probleme lange Zeit am Arbeitsplatz ausgefallen oder könne sich seitdem nicht mehr konzentrieren.

Um so erfreulicher für die Opfer, dass die Düsseldorfer Anwaltskanzlei Baum, Reiter und Collegen inzwischen Gespräche zwischen dem Loveparade-Veranstalter Lopavent, der Stadt Duisburg und dem Land Nordrhein-Westfalen initiieren konnte. „Wir wollen die Frage der Entschädigung von der strafrechtlichen Verantwortung abkoppeln. Den Opfern ist es nicht zuzumuten, Jahre warten zu müssen, bis die rechtlichen Fragen geklärt sind“, sagte Anwalt Julius Reiter, dessen Kanzlei mehrere Dutzend Opfer vertritt. „Wir sind im Gespräch“, erklärte Reiter. Bei all den „Betroffenheitsbekundungen, die man hört“, müssten nun Taten folgen.

Puzzlespiel für die Staatsanwaltschaft

Doch auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen scheinen gute Fortschritte zu machen. Wie aus Justizkreisen zu erfahren ist, gucke auch der Generalstaatsanwalt genau auf die Ermittlungen. Zum Kreis der Beschuldigten zählten mehrere Personen auf Seiten des Veranstalters Lopavent, ein paar mehr auf Seiten der Stadt Duisburg sowie ein Polizeibeamter, heißt es.

Die Arbeit der vergangenen Monate beschreibt die Duisburger Staatsanwaltschaft als eine Art Puzzlespiel, über dem rund 80 Beamte -zigtausende Stunden verbracht hätten. Ihre Zahl sei unverändert. „Wir suchen nach den kausalen Zusammenhängen und haben aus dem Material ein Mosaikbild gefertigt“, sagte deren Sprecher, Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp. Was zeigt es? Wer ist es, bei dem sich der Anfangsverdacht erhärtet haben könnte und dem nun in einem Ermittlungsverfahren eine Mitschuld an der Tragödie mit 21 Opfern nachgewiesen werden soll?

Keine konkreten Namen

Die Duisburger Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt. Wann erste Ergebnisse genannt werden, könne man noch nicht sagen. „Zum Abschluss der Ermittlungen wird nicht automatisch Anklage erhoben“, sagte Haferkamp. Selbst wenn das Mosaikbild fertig sei: „Die Arbeit wird weiter gehen.“ Konkrete Namen will die Staatsanwaltschaft nicht nennen – auch im Interesse der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Der Druck der Öffentlichkeit ist groß.

Die Stimmung im Duisburger Rathaus ist derweil unverändert schlecht, berichteten Mitarbeiter. Mehr als deutlich zeigte sich das auf dem Neujahrsempfang der Stadt am Wochenende. Wieder einmal ließ Oberbürgermeister Adolf Sauerland das nötige Feingefühl vermissen, als er die Loveparade und auch die vielen Retter von DRK, Johanniter und Maltesern mit keinem Wort erwähnte. Aber Sauerland wäre nicht Sauerland, wenn er nicht wieder eine gute Erklärung dafür parat hätte. Es sei ja gar nicht seine Rede gewesen, sondern die seines Redenschreibers...

 
 

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