Ermittlungen gegen Mauerschützen-Computerspiel eingestellt

Jens M. Stober will mit seinem Spiel andere Jugendliche zum Nachdenken über die DDR anregen. Foto:dapd
Jens M. Stober will mit seinem Spiel andere Jugendliche zum Nachdenken über die DDR anregen. Foto:dapd
Foto: dapd/Daniel Maurer
Das virtuelle Schießen auf DDR-Flüchtlinge ist nicht strafbar. Die Ermittlungen gegen das PC-Mauerschützenspiel „1378 (km)“ sind eingestellt worden.

Karlsruhe.. Das Verfahren gegen den Entwickler des umstrittenen Mauerschützen-Computerspiels „1378 (km)“ ist eingestellt worden. Die Prüfung des von einem Studenten entwickelten Spiels, in dem man als DDR-Grenzsoldat auf Flüchtlinge schießen kann, habe keine Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Strafrecht ergeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe am Montag. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Entscheidung dem Studenten Jens Stober bereits mitgeteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen des Anfangsverdachts eines Verstoßes gegen den Straftatbestand der Gewaltverherrlichung nach Paragraf 131 des Strafgesetzbuches ermittelt. Dieser Straftatbestand wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Wer schießt, landet auf Anklagebank

Der 24-jährige Stober studiert Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Trotz der Empörung zahlreicher DDR-Opferverbände veröffentlichte er sein ab 18 Jahren freigegebenes Spiel am 10. Dezember 2010. Ursprünglich wollte er das Spiel bereits am 20. Jahrestag der Wiedervereinigung verbreiten, verschob nach heftiger Kritik jedoch die Veröffentlichung.

Auslöser für die Kritik von Historikern und Opferverbänden an dem Spiel ist, dass der Spielteilnehmer in die Rolle von DDR-Grenzsoldaten schlüpft und per Mausklick Flüchtlinge erschießen kann. Wer zu viele Flüchtlinge abschießt, wird zuerst mit einem Orden ausgezeichnet, findet sich dann aber später auf der Anklagebank eines Mauerschützenprozesses wieder. Stober will nach eigener Aussage mit dem Spiel andere Jugendliche über die Geschichte an der innerdeutschen Grenze aufklären. Er rechtfertigt seine Idee damit, dass man das Spiel mit dem Erschießen von Flüchtlingen nicht gewinnen könne. (dapd)

 
 

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