Erleichterung über Festnahme von Ali Kur

Paderborn. Die Eltern der ermordeten Kardelen aus Paderborn haben sich erleichtert über die Festnahme des mutmaßlichen Täters Ali Kur gezeigt. Sie freue sich, dass der Tatverdächtige gefasst sei und nun "andere Kinder" vor Taten dieser Art "gerettet" worden seien, sagte die Mutter.

Rund einen Monat nach dem Mord an der achtjährigen Kardelen aus Paderborn ist der mutmaßliche Täter gefasst. Der 29-jährige Ali Kur, ein Nachbar von Kardelens Familie, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft am späten Dienstagabend in der Westtürkei festgenommen.

Die Eltern der ermordeten Kardelen zeigen sich erleichtert. Die Mutter bedankt sich dafür, dass alles getan worden sei, dass der Täter gefasst wurde. Der Vater betont, dass nur Gott wisse, «was wir leiden mussten». Er habe dafür gebetet, dass nicht andere Eltern diesen Schmerz erdulden müssen.

Die Trauer bleibt

An der Siedlung in der Benediktinerstraße in Paderborn erinnern auch rund einen Monat nach dem Sexualmord an der achtjährigen Kardelen noch Briefe, Kerzen oder Stofftiere an das Schicksal der Grundschülerin. Und auch wenn das Trauern noch lange anhalten wird, für die Anwohner endet am Mittwoch zumindest das bange Warten darauf, dass der mutmaßliche Täter Ali Kur gefasst und vor Gericht gestellt wird.

Von offizieller deutscher Seite wird zunächst auch nicht viel bekannt gegeben. Staatsanwalt Ralf Vetter tritt gegen Mittag am Polizeipräsidium vor die Presse und bestätigt die Festnahme des gesuchten Türken, der kurz nach der Tat mit seiner 26 Jahre alten Ehefrau in sein Heimatland geflohen war. Durch Hinweise des Schwiegervaters, der in die Türkei gereist war, soll es den dortigen Ermittlern gelungen sein, den Mann zu stellen. «Der Schwiegervater war in die Türkei gereist, um ihn aufzuspüren und seine Tochter zurückzuholen», erklärt Vetter. Dabei war es auch zu dem Kontakt zwischen dem Schwiegervater und dem Tatverdächtigen gekommen, der letztlich zur Festnahme des 29-Jährigen geführt habe.

Anwohner sind erleichtert

Eine junge Mutter, die am Mittwoch mit ihrem Kind in der Siedlung in Paderborn spazieren geht, sagt: «Wir sind froh, dass der Täter gefasst wurde. Aber die Trauer über die Tat bleibt.» Auch die Angst um die Kinder werde wohl nicht so schnell weichen, sagt sie. Der mutmaßliche Täter hatte in einem Nachbarhaus von Kardelens Familie gelebt.

«Wir sind jetzt alle beruhigt - auch wenn es eine bittere Freude ist», sagt Muhsin Arslana, der rund 25 Jahre in der Siedlung gelebt hatte und auch heute engen Kontakt zu den Bewohnern hält. Er kennt den Schwiegervater, der ebenfalls in Paderborn lebt. «Es ist toll, dass der ihn erwischt hat», erklärt Arslana. Der Schwiegervater betreibt in der Nähe der Siedlung eine Teestube, die am Mittwochmittag allerdings geschlossen ist.

Nach Angaben von Staatsanwalt Vetter wird Ali Kur vermutlich nicht ausgeliefert: «Die türkischen Behörden führen das Verfahren weiter.» Etliche Anwohner sind darüber erfreut, schließlich erwarte den 29-Jährigen nun in seinem Heimatland eine deutlich härtere Strafe, als es in Deutschland der Fall gewesen wäre, vermutet etwa der stellvertretende Gemeindevorsitzende Cetin. Die Verbitterung über die Tat des 29-Jährigen ist groß - viele wünschen sich noch drakonischere Strafen für den Festgenommenen und befürworten die mittlerweile in der Türkei abgeschaffte Todesstrafe. «Wer so etwas macht, der hat sein Leben verwirkt», sagt Cetin.

Was nun mit der Familie von Kardelen wird, ist unklar. Einige Anwohner mutmaßen, dass die Familie nun bald aus Paderborn wegzieht - um die schlimmen Ereignisse zu vergessen. Und die Anwohner hoffen, dass nun langsam wieder Normalität in die Paderborner Siedlung einziehen kann. (ddp)

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