Envio - Sicherheitsmängel beschäftigen Landtag

Klaus Brandt
Rundgang über das Gelände der Firma Envio in Dortmund: In dieser Halle lagern kontaminierte Abfälle und Maschinen. Das Bild zeigt ungeschützte Öl- und Wasserreste unter Generatoren. Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool
Rundgang über das Gelände der Firma Envio in Dortmund: In dieser Halle lagern kontaminierte Abfälle und Maschinen. Das Bild zeigt ungeschützte Öl- und Wasserreste unter Generatoren. Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund/Düsseldorf. Helle Aufregung herrscht nach den Enthüllungen unserer Zeitung über die skandalösen Sicherheitsmängel auf dem Envio-Gelände und die daraus resultierenden Gefahren für Menschen und Umwelt.

Die Enthüllungen unserer Zeitung zu Sicherheitslücken auf dem Envio-Gelände haben die Behörden alarmiert und sorgen für Empörung. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) und Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) veranlassten die Bezirksregierung Arnsberg und das Landesumweltamt zu Stellungnahmen. Remmel forderte die Bezirksregierung auf, „nötigenfalls durch Bodenproben festzustellen, ob wegen unzureichender Absicherung der Werkshallen“ PCB ausgetreten ist.

Landespolitiker knöpften sich die Behörde vor

In Arnsberg ging es am Freitag hektisch zu. Eine Telefonkonferenz jagte die nächste. Am Nachmittag kam eine Pressemitteilung. Die Bezirksregierung nehme „die erhobenen Vorwürfe zur Sicherung des Envio-Geländes sehr ernst“. Man wolle die Einhaltung angeordneter Maßnahmen überprüfen und „in der kommenden Woche Stellung nehmen“.

Landespolitiker knöpften sich die Behörde vor. „Das erneute Versagen der Bezirksregierung Arnsberg ist das zweite Kapitel des PCB-Skandals“, sagte die Landtagsabgeordnete Daniela Schneckenburger (Grüne). Die Behörde erscheine „überfordert“, offenbare ein „Kontroll- und Vollzugsdefizit“. Schneckenburger drängt zur Eile: „Das Envio-Gelände muss sofort gesichert und abgedichtet werden.“

Die Linke macht den Fall Envio nach der Sommerpause zum Thema im Landtag. Der Abgeordnete Rüdiger Sagel kritisiert Umweltminister Remmel als „eine Figur in dem Schwarzer-Peter-Spiel, zu dem der PCB-Skandal geworden ist“. Eine Behörde schiebe der anderen die Verantwortung zu, um die Sache gehe es längst nicht mehr. Remmel müsse jetzt handeln. „Auf dem Envio-Gelände ist Gefahr im Verzug. Er muss sofort eingreifen, damit Menschen und Umwelt nicht gefährdet werden“, sagt Sagel. Remmel müsse dem Umweltausschuss des Landtags berichten.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) will „keine Gefährdung für Arbeiter und Anlieger des Envio-Geländes“ hinnehmen. „Das lasse ich nicht auf sich beruhen“, sagte er mit Blick auf den WAZ-Bericht über gestiegene PCB-Werte im Hafen, die offensichtlich von der weitgehend unsanierten Fläche ausgehen. Sierau verlässt sich darauf, dass Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD) „alle Hebel in Bewegung setzt, um die Sache aufzuklären“.

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