„Energie, Geist und Aura“

Ludger Böhne
Die offizielle Preisverleihung: Kuratoriums-Vorsitzender Bernd Tönjes (l.) und Bürgermeister Lambert Lütkenhorst übergeben Joanna Schulte die Urkunde.
Die offizielle Preisverleihung: Kuratoriums-Vorsitzender Bernd Tönjes (l.) und Bürgermeister Lambert Lütkenhorst übergeben Joanna Schulte die Urkunde.
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten. Joanna Schulte hat die Spuren von Tisa von der Schulenburg gesucht – und eigene gefunden. Pater Dieter, ihr alter Lateinlehrer am Osnabrücker Ursulinen-Gymnasium, lebt heute im Dorstener Franziskanerkloster. Natürlich war er eingeladen, als am Dienstag Abend der fünfte Tisa-Kunstpreis an die Künstlerin verliehen wurde.

Sie sei „ganz reich beschenkt worden“, sagt Joanna Schulte vor der Verleihung und meint damit keineswegs das Preisgeld (5000 Euro). Sie meint vielmehr die Vorbereitung auf die gestern eröffnete Doppelausstellung „Nonnenstiege“ in der ViVi-Galerie Wiesenstraße und in Tisas früherem Atelier im Keller des Ursulinen-Klosters. Sie hat die Stadt erkundet und die Lebensgeschichte von Tisa von der Schulenburg (Schwester Paula). Ein spannendes Leben sagt sie, teils weltlich, teils im Dorstener Kloster verbracht. Schulte hat selbst vier Tage im Ursulinen-Konvent gewohnt – eine Zeit, angereichert mit Geschichten, Begegnungen, auch rührseligen Momenten, erzählt sie. Und sie habe spüren können, dass Tisa „Energie, Geist und Aura in der Stadt gelassen“ habe. Zwar sei jeder Preis für einen Künstler ein besonderer, dieser darum aber „ein ganz besonderer“.

Mit Bedacht hat die Tisa-Stiftung den 8. Februar ausgewählt für Preisverleihung und Vernissage – den zehnten Todestag der Ehrenbürgerin. Bernd Tönjes, RAG-Chef und Vorsitzender des Stiftungs-Kuratoriums: „Tisa – die Künstlerin und die Zeitzeugin – war eine starke Frau. Wir wollen ihr Erbe lebendig halten und der jungen Generation nahebringen, wer sie war.“ Bürgermeister Lambert Lütkenhorst: „Tisa strahlte etwas aus. Sie war jemand.“

Gut 150 Gäste waren der Einladung zur Ausstellungseröffnung gefolgt, darunter auch Tisas Neffe Fritz Graf von der Schulenburg und seine Frau Angela sowie die Nichte Angela Bohrer.

Die Jury hat Joanna Schulte ausgewählt unter 130 Bewerbungen. Tönjes sagte, er sei froh, dass eine renommierte Künstlerin als Preisträgerin gefunden wurde. Die erwiderte das Lob: Der Preis sei mittlerweile weit über Dorsten hinaus in der Kunstwelt anerkannt: „Ich wette, beim nächsten Mal bekommen Sie die dreifache Zahl an Bewerbungen.“

Bis dahin bleibt noch etwas Zeit. Der Tisa-Preis wird alle drei Jahre ausgeschrieben.